Das Unrecht anderswo – und unser Recht

Goya_War2Wenn wir wollen, dass in als "Gottesstaat" verfassten Ländern ein anderes Denken, andere Haltungen Wurzeln schlagen als die despotische Mechanik von Befehl und Gehorsam,  dann müssen wir Demokratie vorleben. Werte wie das Recht auf Bildung, freie Meinungsäußerung, eine Justiz ohne religiöse, sonstwie ideologische, genderspezifische, von Macht und Eigentum diktierte Präferenz; der Verzicht auf von Feindbildern getriebene Eskalation in Konflikten verstehen sich auch bei uns nicht von selbst. Geld- und Machtinteressen widersprechen demokratischen Regeln, werden sie gebrochen, ist das Stoff für die Propaganda autoritärer Systeme.
Andererseits: Jeder Mensch kann Demokratie und Menschenrechten bei uns voran helfen – egal woher er kommt oder wofür er eintritt. “Auch das schlechteste Modell taugt, etwas daraus zu lernen”, sagt der Physiker. Hören wir also genau zu, wenn sich Menschen kritisch “gegen den Westen” äußern; zahlen wir Hetzern und Pöblern nicht mit gleicher Münze zurück. Es mag uns gegen den Strich gehen, aber wir wollen Konflikte intelligenter lösen, nicht Gleiches mit Gleichem vergelten – oder?
Diktaturen sind gekommen und gegangen, überall. Was sie an ihr Ende brachte, wirkt fort, wenn wir im politischen Alltagsreden und -handeln nicht ängstlich auf das Steinzeitmodell des "Draufschlagens", geschweige das des totalitären "Ausmerzens" zurückfallen. Das bedeutet freilich, nicht auf einfache Lösungen zu hoffen. Das folgende Gedicht entstand in den 80er Jahren – es mag als Lyrik wenig taugen, erledigt hat es sich darum noch nicht.

Überall Krieg …

mit verbundenen Augen

Stürzen sich Kinder in Schwaden von Gift

Einpeitscher leiern den Trauergesang

Heizen den Hass und feiern den Mord

Nie waren die Listen der Toten so lang

Nie profitabler die Waffen verschifft

Nie die Welt so ein einziger Ort.

Überall siegen, die da reden vom Sieg

Reden von Gott oder Revolution

Masken von Geld und Macht

Reden von Ehre und Nation

Krankheit und Hunger leben davon

Und überall wird Nacht.

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2 Kommentare zu “Das Unrecht anderswo – und unser Recht

  1. Menschenrechte. Gute Sache. Warum greifen sie nicht und wir sehen noch immer mehr Waffenverkäufe an souveräne Staaten und sie bekämpfende Rebellen=Terroristen. So kann das nichts werden. Hier ist zu spüren, wer das Feuer befeuert statt es zu löschen.

    Ich hatte mich auch gefragt, was es mit unserer Freiheit, Brüderlichkeit, Gleichheit und Gerechtigkeit auf sich hat, warum auch diese Werte(?) empfunden immer weiter verschwinden. Ich las diese Woche einen erhellenden Artikel dazu:

    Glanz und Elend der bürgerlichen Grundwerte: Wozu taugen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Gerechtigkeit?

    VG Martin

  2. Pingback: Der Riss durch die Welt – Eigensinn verpflichtet!

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