Studieren hinter Mauern

* Vorlage_Broschur.inddDer studierwilligen Jugend sei dieses Buch ans Herz gelegt – und allen die hierzulande Hochschulpolitik machen. Rainer Jork und Günter Knoblauch haben einen enormen Schatz an Erfahrung von Zeitzeugen aus dem Alltag der sozialistischen Diktatur zusammengetragen, der zweierlei offenlegt: Neugier und Freude an selbständiger Arbeit sind mit bevormundenden und doktrinären Bildungssystemen kaum vereinbar – und andererseits lassen sich solche Systeme nur mit lebensfeindlichen, die Freiheit von Wissenschaft und Kunst erstickenden Maßnahmen aufrechterhalten, daran scheitern sie schließlich.

Um das zu zeigen, bedarf es keiner Polemik. Die Selbstauskünfte von Forschern, Ingenieuren, Lehrern, Künstlern aus vier Jahrzehnten des “Arbeiter- und Bauern-Staates“ beweisen es; sie lesen sich obendrein spannender als jeder Krimi. Fast alle Erzähler wehrten sich einfallsreich – mit Intelligenz, Improvisation, Hilfsbereitschaft, mit bisweilen an den “braven Soldaten Schwejk” erinnerndem Witz – dagegen, sich von der SED, ihrer Stasi und ihren “Massenorganisationen” vereinnahmen zu lassen, immer von Exmatrikulation, gar Haft bedroht. Andere lernten nur, unauffällig durchzurutschen: Das Bild der Verhaltensmuster enthält zahllose Schattierungen von Grau – und einige Glanzlichter.

Vor allem die Älteren mit Studienbeginn in den 50er und 60er Jahren an der Dresdner TH/TU blicken auf Biographien zurück, die kurz angerissen, doch eindrucksvoll sind. Nach politischer Verfolgung verließen manche die DDR, einige erduldeten zuvor Stasi-Knast, alle haben den Wert von Meinungsfreiheit, freier Lehre, Forschung und Kunst durch spätere berufliche Leistungen bestätigt. Wer blieb, lebte mit Konflikten, wurde benachteiligt, tat sein Bestes in Familie und Beruf, engagierte sich in der Zeit des Umbruchs und der deutschen Vereinigung. Die Rückschau ist ohne Wehleidigkeit und Zorn. Ich habe das mit Respekt gelesen, erinnerte mich vergnügt meines eigenen Physikstudiums, der (gern geschwänzten) Vorlesungen und Seminare in „Gesellschaftswissenschaften“, kurz „GeWi“, also marxistisch-leninistischer Selbstbeweihräucherung. Sich zur Wehr zu setzen war abenteuerlich, voller tragischer und komischer Wendungen – so entstand mein Roman „Babels Berg“. „Zwischen Humor und Repression“ taugte als Stoffsammlung für etliche weitere.

Künstlerische, pädagogische Fächer und andere Hochschulorte (Leipzig, Weimar, Halle, Erfurt, Berlin, Karl-Marx-Stadt) kommen mit den Matrikeln der 70er und 80er Jahre zusätzlich in den Blick, nach den Einschnitten des Mauerbaus und des niedergeschlagenen Prager Frühlings verschärfte sich die wirtschaftliche Lage der DDR, die Stasi dehnte Überwachung und Repression aus. Das Studentenleben erzeugte trotzdem widerständige Unterströmungen. Es entstanden “Soziotope des Ungehorsams”. Die Ausweisung Wolf Biermanns 1976 polarisierte zusätzlich, der Staat reagierte paranoid mit noch mehr ideologischem Druck, noch mehr Verpflichtungen auf Wehrdienst und möglichst 100% Zustimmung bei Wahlen; die Stasi setzte noch mehr „Inoffizielle Mitarbeiter“ (IM), subtilere Methoden bei Verhören und zersetzende Maßnahmen gegen „feindlich-negative Subjekte“ ein, infiltrierte das Leben bis in letzte, private Winkel. Wer „Leitungsfunktionen“ hatte, konnte nur mit persönlichem Risiko manchen Schüler oder Studenten vor Relegation bewahren. Dass es Lehrer und Vorgesetzte gab, die es wagten, gehört zu den positiven Erinnerungen damaliger Studenten ebenso, wie deren fachliche Qualifikation. Die Berichte sind akribisch mit Anmerkungen, Kommentaren zur Zeitgeschichte, Originaldokumenten, didaktischen Hinweisen und Angaben zur Entstehungsgeschichte ergänzt: Der Anhang bietet noch einmal interessanten, bis in die Aktualität führenden Lesestoff.

Keine Demokratie ist gegen totalitäre Strebungen immun – das liegt in ihrem Wesen. Zum Kern gehören Meinungs- und Informationsfreiheit. Die Herausgeber ermutigen zu fragen: Dürfen Schüler und Studenten sich kritisch äußern, ohne mit Gruppendruck, moralischer Erpressung, Verleumdung und Denunziation rechnen zu müssen? Werden konflikthaltige Fragen übergangen, gar erstickt? Konfliktkultur ist, darüber belehrt der Blick in die klassischen wie die “sozialen” Medien täglich, hierzulande weithin terra incognita. Noch jede Partei, Regierung,  Korporation ist in Versuchung, ihr genehme Ansichten mit allem verfügbaren Druck in der Gesellschaft zu verbreiten – sei es fürsorglich bis zur Bevormundung der Wähler oder womöglich unter Bruch des Grundgesetzes gegen oppositionell Eingestellte. Wissenschaft, Kunst, Forschung und Lehre sind dem Grundgesetz desto enger verpflichtet: Es schützt die Rechte des Einzelnen, nicht die von Körperschaften und Ideologien. Menschen mit letzten Wahrheiten zu indoktrinieren – gleich ob Religion oder sonstige Heilslehre – widerspricht diesem Auftrag. Umso erfreulicher und wichtiger ist das Erscheinen dieses Buches.

„Zwischen Humor und Repression – Studieren in der DDR“, Mitteldeutscher Verlag Halle 2017, 548 Seiten, 19,95 €

Advertisements

Kostbare Entfernung

2014-04-26 19.49.38Während ich am Roman “Narbenpuppe” arbeite (erfreulicherweise wird auch das zugehörige Weblog vom Deutschen Literaturarchiv Marbach dokumentiert), werde ich wie ’s unverschämtem Vorsatz geziemt “Der menschliche Kosmos” aktualisieren. Der Anfang von Kapitel 6 ist seit heute online; was dort zu Themen wie “Hate Speech” oder “Fake News” schon 2006 erörtert wurde, bedarf eher geringfügiger Ergänzungen. Dass Gerüchte, Wahnvorstellungen und Propaganda im Zusammenleben von Menschen immer wieder die Wahrnehmung dominieren und den Sinn (vielleicht sollte ich lieber “die Sinne” sagen) für die Realität zur Kapitulation zwingen, ist wahrhaftig nichts Neues. Mundpropaganda taugte für “Fake News” ebenso wie Tontafeln, Inkunabeln, die Erfindung Gutenbergs, noch besser, schneller, massenhafter die von Radio und Fernsehen. Das Internet erfüllt dagegen die von Bertolt Brecht schon in den 30er Jahren erwünschte Vision der Interaktivität: Empfänger von Informationen haben einen Rückkanal. Wir erleben, dass manche Politiker und Journalisten so etwas nicht aushalten. Mir egal.

Mit fortschreitendem Alter stellt sich mir immer dringlicher die Frage, wofür einer seine Energien einsetzen will, von welchen Arbeitsfeldern er sich besser zurückzieht, weil Aufwand – also knapper, kostbarer werdende Lebenszeit – und Nutzen – also der Gewinn an Zufriedenheit, zu dem wohl auch das Einkommen beiträgt – nicht mehr in vernünftigem Verhältnis stehen.

Im Journalismus war mein erwartbarer Gewinn an Zufriedenheit schließlich ebenso dramatisch geschrumpft wie meine Möglichkeiten, unerfreulichen Entwicklungen auf diesem Arbeitsfeld zu wehren. Die Situation war – insbesondere was das Fernsehen anlangt – jener zu vergleichen, in der ich mich seit Anfang der 80er Jahre in der DäDäÄrr befand: Mit unvertretbarem Kraftaufwand versuchte ich damals, quadratzentimeterweise auf Theaterbühnen Handlungsfreiheiten zu behaupten. Das erwies sich als sinnlos, weil immer genügend Bereitwillige verfügbar waren, mich zu verdrängen, meine Positionen zu besetzen. Der Staat konnte meine jederzeitige Ersetzbarkeit zur Erpressung nutzen, er versuchte, mich in den Mainstream des Gehorsams zu zwingen. Ich gab nicht nach, ich stieg aus. Die Nachfolger machten Karriere – einige besonders Stromlinienförmige auch nach dem Zusammenbruch der DäDäÄrr im vereinigten Deutschland; nicht nur sie verdarben mir die Lust, jemals wieder an Stadttheatern zu inszenieren. Mit wachsender Hochachtung für die oppositionellen Autoren, Regisseure, Schauspieler, Bühnenbildner und anderen mutigen Mitarbeiter der Theater in totalitären Staaten wuchs meine Enfernung zu den Salonrevoluzzern des Westens. Ähnliches hat Liao Yiwu in China erlebt. Das Radiofeature über ihn und seinen Roman „Für ein Lied und hundert Lieder“ zeigt, wie nahe sich der aus China und der aus der DäDäÄrr „entfernte“ sind.

Ersetzbarkeit ist das Mittel der Erpressung in allen Sozialsystemen – das war keine gänzlich neue Einsicht meiner Tätigkeit als Journalist in den vergangenen zwanzig Jahren. Diese Einsicht, ihre sozialen Hintergründe, ihre Konsequenzen flossen in mein erstes Buch „Der menschliche Kosmos“ ein: 2006 begann mit seinem Erscheinen mein Ausstieg aus dem Fernsehen. Es hat wirkliche Höhepunkte, Erfolge gegeben, die dem Funktionieren demokratischer Strukturen und dem Auftrag öffentlich-rechtlicher Anstalten alle Ehre machten.

Die Entwicklung aber macht aus Journalisten zunehmend Erfüllungsgehilfen. Quotenvermutungen bestimmen fast ausschließlich, welche Themen ins Programm kommen; statt journalistisch distanzierter Haltung beim Berichten und womöglich quer stehender eigener Meinung beim Kommentieren richten sich Stellungnahmen an minder qualifizierten Prominenten oder politisch korrekten Experten aus. Es ist egal, ob die vermeintlichen Gewissheiten von heute sich morgen als Unsinn erweisen: Hauptsache schnellstens auf der „richtigen“ Seite dabei sein, Hauptsache Quote. Und “Hauptsache Follower” ist der Ausdruck kollektivistischer Herdenimpulse in den Social Media, führt zu “Filterblasen”, die nichts anderes sind als Tribalismus, wie er sich in den Ritualen etwa der Fußballfans manifestiert. Dass die Journaille gerade hier fast ausnahmslos unkritisch ihr Geschäft macht, sagt alles.

Für mich wurde es höchste Zeit, mich aus diesem Geschäft zu verabschieden, nur noch das zu tun, was mit meiner Haltung vereinbar ist: So wenig wie der staatlich verordneten Monokultur im Osten werde ich der auf Konformismus zielenden Monokultur des Mainstreams zuarbeiten. Es gibt Wichtigeres – sogar Wichtigeres als Geld.

Die ganz privaten Klimakatastrophen

IMG_20141003_182837_1Dass Menschen für Geld oder Karriere (oder beides) jede Freundschaft opfern, ist gewöhnlich. Im System der rechnenden, alles quantifizierenden Gesellschaft sind Vertrauen, Freundschaft, Liebe keine darstellbaren Größen. Experten der Statistik bemühen sich dennoch mit enormem Aufwand an Projekt- und Werbegeldern, alles und jeden in ihre Rangordnungen – denglisch “Rankings” – einzukästeln. Dabei kommen romantische Konstrukte wie “Die größte Liebe des Jahrhunderts” etc. heraus. Sie lassen sich medial prima vermarkten, und die auf Konsenskultur und Passgerechtigkeit zu den Geldmaschinen konditionierte Herde folgt ihnen gern.

Das Menschenrecht auf Rechnen ist beinahe durchgesetzt, die auf Geldwert und Preise verkürzte Perspektive des Subjekts auch. Massenhaft. Für den einzelnen Menschen ergibt sich daraus bisweilen ein Problem. Er wähnt zwar, dass zu seinem Lebensglück nur genug Geld – die Größenordnungen geben die Stars der Rankings vor – nötig ist, aber wenn sich die  Realität solchen Wünschen verweigert, greift er in der Not auf atavistische Lebensmittel wie Vertrauen, Freundschaft, Liebe zurück. Gern stellt er sie bei besserer Gelegenheit auch wieder in den Dienst von Erwerb und Karriere – das ist in dem herrschenden sozialen Umfeld schier unvermeidlich.

Gelegentlich aber stört das unberechenbare, aus Schmutz und Spontaneität genährte Leben den Fortschritt der Geldwirtschaft. Da wollen sich Leute partout nicht für ein paar Tausend (schlimmstenfalls Millionen) ihre lächerlichen, wirtschaftlich völlig irrelevanten Eigensinnigkeiten abkaufen lassen. Denen fehlt einfach die Sozialkompetenz. Die sind nicht bereit, ihre egozentrischen Spinnereien dem berechenbaren Nutzwert anderer unterzuordnen. Sie sind asozial.

Irre ich mich – oder ist das die Beschreibung eines sozialen Klimas?

Wenn Freundschaft, wenn Liebe zu diesem Klima passen muss, dann kündige ich sie auf. Vertrauen wird dazu sowieso niemals passen. Und wie Liebe, Freundschaft, Vertrauen “nachhaltig” sein sollen, wenn man sie ausrechnen können muss – darauf sind mir die Experten und Statistiken dieser Welt die Antwort schuldig.

Wollen wir etwas ändern? Etwa uns?

festung (6)Siehe da – auch die Piraten, angetreten und zeitweise von 12% der Wähler begeistert begrüßt wegen ihres Ziels, etablierte Politikrituale zu befragen, gegebenenfalls abzuschaffen, stattdessen neue Wege zu gehen, sind an- und heruntergekommen: Sie bewegen sich in den Niederungen der Machtkämpfe; Hierarchien bilden sich heraus, am Ende geht es nur noch darum, die 5%-Hürde des etablierten Politikbetriebes nicht zu reißen.

So jedenfalls sehen es die Medien, deren Wahrnehmung vollständig auf Schemata eben dieses Politikbetriebes fixiert ist. Die Schemata des Medienbetriebes sind nicht einmal mehr komplementär, sie sind auf die phantasieloseste Weise angepasst. Leider haben die Piraten genau dem wenig entgegenzusetzen – das wird an den Wichtigtuereien ihrer “Führungskräfte” ebenso offenbar wie an der Politbürosprache neuerer Bemühungen um politisches Renommee.

Über die Zukunft wird aber nicht in Politbüros entschieden. Das Schicksal der Gattung Mensch hängt an ihrer Arbeitsorganisation, also an ihrem Konfliktmanagement. Unternehmen, die nicht als Dinosaurier enden wollen, fangen an, sich entsprechend zu organisieren: lernfähig. Ja, ganz recht: es geht um Kulturleistungen, weil Nachhaltigkeit keine Frage von Technik oder Technologie ist, nicht einmal eine Frage von mehr oder weniger realen Milliarden, sondern eine des Verhaltens von Menschen. Es ist die Frage, ob wir Steinzeitimpulsen, Habgier und Herrschsucht folgen wollen oder neuen Strategien, die fortwährend auf den Prüfstand kommen. Nachhaltig ist nämlich genau das, was nicht in den Stein linker, grüner oder sonst irgendwie bessermenschlicher Ideologien gemeißelt wird, sondern sich intelligent an wandelnde Verhältnisse anpasst. Es folgt nur einem Grundgesetz: der Ehrfurcht vor dem Leben.

Das Problem der Piraten sind – wie in anderen Parteien und den meisten Unternehmen – Karriereopportunisten und Mitläufer. Sie wollen mittels korporativer Macht ihr je wichtigstes persönliches Ziel in den Rang sozialer Unbedingtheit erheben: “Ich will so bleiben, wie ich bin!” Dieses Ziel steht zum Universum freilich ebenso wie zur Lernfähigkeit senkrecht. Vielleicht verliert ja das Universum.

Immer wieder reloaded: Ein irrer Duft von frischem Heu

Eine Wiese - oder nur Heu?

Eine Wiese – oder nur Heu?

Zugegeben: der folgende Text ist nicht mein stärkster. Es ist zu zornig, zu persönlich. Irgendein Witzbold fand ihn gut genug, mich mit seiner Hilfe öffentlich zum Deppen zu machen: Er unterschob der Linkempfehlung in meiner Statusmeldung bei XING einen Code. Nun wird sie, gleich einem Sprung in der Platte, andauernd wiederholt. Freunde machten mich aufmerksam, ich teilte XING das Problem mit – bisher ergebnislos. Jetzt habe ich den Titel  geändert. NEIN!  Es ist kein Propagandatrick, um mehr Leute zu meinem Blog zu lotsen!

Auch heuer werden Herzen der DäDäÄrr-Nostalgiker wieder höher schlagen, wenn eine der erfolgreichsten Komödien aus der guten alten Zeit – von der DEFA in der Ägide des Stasi-IM- Generaldirektors Hans-Dieter Mäde 1977 verfilmt und mit einem Kritikerpreis belorbeert – Bühnen in Meckpomm zu Zeitmaschinen macht. “Ein irrer Duft von frischem Heu” half den Werktätigen, die Mangelwirtschaft zu ertragen, indem sie über leicht verrenkte, aber partei- oder sonst irgendwie fromme Schauspieler lachen durften. Die Gartenzwerge auf der Bühne passten den Riesenzwergen im Politbüro ins Konzept: folgenlose Massenbelustigung gegen wachsende Zweifel an der Heilsgeschichte des Sozialismus. Honecker, Mittag, Mielke & Co. waren 1977 zwar schon ökonomisch am Ende, aber dank Stasi, Stacheldraht und Selbstschussanlagen gegen Republikflüchtlinge immer noch im Vollbesitz der Macht. Sie entschieden: die Schulden sind erdrückend, aber die Afrikaner helfen uns vielleicht heraus, wenn wir genügend Kalaschnikows und W 50-LKW gegen Kaffee, Kohle und andere Rohstoffe eintauschen, statt harte Dollars zu zahlen. Wenn die Leute Kaffee haben und den irren Duft von kabarettistischen Knallfröschen, geht das sozialistische Wachstum schon irgendwie weiter; nörgelnde Kritiker verduften früher oder später mit oder ohne devisenträchtigen Häftlingsfreikauf aus dem Stasiknast gen Westen. Eigentlich war 1977 schon alles zu verkaufen – Menschen sowieso.

Ich gönne den Untertanen von einst und Untertanen von heute das Vergnügen, über die Riesenzwerge von damals zu lachen, während sie die Verantwortung fürs politische Geschehen – die fürs ökonomische zumal –  den modernen Riesenzwergen überlassen. 1981 habe ich mich geweigert, das Erfolgsstück zu inszenieren, dem Intendanten angeboten, drei Monate unbezahlten Urlaub zu nehmen. Ich wollte Texte schreiben, die in der DäDäÄrr nie veröffentlicht worden wären. Meine Texte interessieren – anders als “Ein irrer Duft von frischem Heu” –  immer noch winzige Minoritäten. Trotzdem weigere ich mich, der Volksbelustigung um der daraus resultierenden Einnahmen willen meine Zeit zu opfern. Der Waffenhandel – der mit Kalaschnikows, der mit Minen, der mit Raketen, der mit Feindbildern – funktioniert zu gut. Weder der irre Duft von frischem Heu noch die Farbe des Geldes können mich betäuben. Manchmal, wenn ich wie in der DäDäÄrr sehr verzweifelt bin, betäube ich mich mit Alkohol. Aber das hilft nur zeitweise. Dann ist der Gestank von Macht und deutschem Untertanengeist wieder da.