Weil der Etatismus marschiert…

…und über dem Geräusch der rinkslechten oder lechtsrinken Empörungsmaschinerie das Verständnis von Gemeinsinn und Demokratie langsam unhörbar wird, stelle ich einen weiteren Abschnitt aus “Der menschliche Kosmos” online. Manche Gedanken (das Buch erschien 2006) werden inzwischen von Jüngeren aufgegriffen und weitergeführt. Kritik allseits erwünscht – Meinungsfreiheit wird zu einem umso kostbareren Gut, je lauter das Pöbeln der Fanatiker auf Straßen und in digitalen Räumen dröhnt.
Linke“ oder sonstwie „kapitalismuskritisch“ Bewegte mit ihrem unerschütterlichen Sinn für soziale Gerechtigkeit wandeln gern auf bequemem Sport- oder Outdoor-Schuhwerk (egal ob Marke oder nicht: fast alles kommt aus Billiglohnländern) zu amtlich genehmigten, völlig gefahrlosen Demonstrationen gegen „die Globalisierung“. Von dort führt sie der Weg an die Imbissbude; sie verzehren billige Lebensmittel und trinken Coca-Cola. Wenn sie Pech haben, stecken in Würsten und Frikadellen große Anteile verdorbenen Fleisches. Die Lebensmittelbehörde kann nicht überall sein; auch für den fleischverarbeitenden Betrieb ist Geiz geil und wer sich an Regeln hält, blöd.
Abends sehen sich die Kämpfer für soziale Gerechtigkeit selbst mit ihren Fahnen und Spruchbändern im Fernsehen und sind sehr zufrieden. Anschließend dürfen sie sich über die billigen rumänischen Arbeitskräfte in Wurstfabriken und den neuesten Lebensmittelskandal ereifern und schreien nach härteren Regeln und Strafen. Sie fordern noch mehr behördliche Aufsicht und Schutz der einheimischen An-Gestell-ten vor ausländischem Lohndumping. Das hindert sie natürlich keineswegs, das Panier gegen zuviel staatliche Überwachung zu schwenken. Rühren lassen sie sich gern von „investigativen“ Geschichten über deutsche Kinder, die in Ostberliner Plattenbauten „unter der Armutsgrenze“ leben. Erschüttert blicken sie in eine 80-Quadratmeter-Wohnung, wo nichts als Couchgarnituren, Betten, Fernseher, Waschmaschine, Kühlschrank, etliche Spielsachen und sonstige Segnungen der Konsumgesellschaft von schreiendem Elend künden und eine sichtlich hingebungsvoll dem Bacchus huldigende Mutter mit der Zigarette in der Hand erklärt, sie müsse halt ihre fünf Kinder zur kirchlichen Suppenküche schicken, weil am Monatsende einfach kein Geld fürs Essen da sei. Bücher sind in dem „Elendsquartier“ nicht zu sehen.
Es ist in all den von Sozialkitsch strotzenden Mitleidsfilmchen und -artikelchen auch nie von der eigentlichen Armut die Rede, unter der die Kinder leiden: von der geistigen und emotionalen Armut einer Gesellschaft, die Vermögen nur in Geld, Glück nur in den Lebensumstand fasst „Arbeit zu haben“, was eigentlich meint: an-gestellt zu sein. Die Wortwahl aber ver-stellt die Verhältnisse: Im Englischen ist die saufende Mutter, die offensichtlich wenig davon hält, ihre Zeit mit Arbeit am sozialen Vermögen ihrer Kinder zu füllen, „un-employed“, also „nicht angestellt“. Im Deutschen ist sie arbeitslos. Was für ein Unglück, und was für ein schlagendes Argument zugunsten der Fürsorgeindustrie!
Wir kommen hier dem ganzen Wahn der „sozialen Sicherungssysteme“ auf die Schliche. Wer oder was soll wogegen gesichert werden? Menschen gegen Hunger und Durst, Kälte, Krankheit, soziale Isolation. Sehr einsichtig. Aber Angst vor derart elementaren Bedrohungen muss hierzulande kaum noch jemand haben. Sollen Menschen auch dagegen versichert werden, für sich und andere Menschen Verantwortung übernehmen zu müssen? Darauf läuft es hinaus. Die Stärke der Gemeinschaft zugunsten der Schwachen einzusetzen – das war das Ziel der sozialen Korporationen; sie nahmen dabei nur die natürliche Strategie von Schwärmen und Herden auf. Aber deren Ein-stellung auf mechanische Denk- und Organisationsstrukturen, wo jeder „Störung“ mit dem Hebelzug an korporativen Machinstrumenten oder nötigenfalls dem Einbau weiterer Hebel und Zahnräder begegnet wird, hat monströse Gestelle heranwachsen lassen: Kranken-, Renten-, Arbeitslosen-, Lebens-, Unfall-, Rechtsschutz-, Haftpflicht-, Hausrat-, Glasschutz-, Feuer- und zahllose weitere Versicherungen, die ihrerseits gegen Risiken rückversichert sind.
Der Hauptzweck, Menschen gegen unkalkulierbare Lebensrisiken zu schützen, ist gegenüber der Selbsterhaltung oder gar dem Gewinnstreben dieser Unternehmen längst zur Nebensache geworden. Die Versicherungsnehmer üben ihre Art „sozialer Gerechtigkeit“: Ein kleiner privater Zugewinn nebenbei durch einen Versicherungsbetrug zu Lasten der anderen Prämienzahler wird von vielen ohne Gewissensbisse „organisiert“. Und wer sich versichert, tut’s nicht gegen Naturkatastrophen, sondern hauptsächlich gegen andere Menschen. Die Rechtsschutzversicherungen boomen. Was die Kassen der Assekuranzen zum Klingen bringt, ist vor allem die Angst, auf Hilfen anderer Menschen angewiesen zu sein. Das mächtige Gestell soll stattdessen alle Probleme lösen.
Dank dieser universellen Versicherungsstrategie ist die Gesellschaft inzwischen vor allem durch Angst gesteuert: Rund um die Uhr leiern die Medien ihre Gefährdungslitanei, „the German Angst“ hat lächerliche Berühmtheit. Unsere Nachbarn wissen immer noch nicht genau, ob sie über uns lachen oder uns fürchten sollen.
Zögert überhaupt noch jemand, seinen Besitzstand, egal welcher Form, zu sichern, indem er jedes nur irgend verfügbare korporative Instrument nutzt? Ob es um die Karriere in Politik, Behörde oder Großunternehmen geht oder um nachbarschaftliche Beziehungen – wer kann, setzt seine Ziele mittels korporativer Macht durch. Wer sich von Partymusik gestört fühlt, klingelt nicht beim Nachbarn, er ruft die Polizei. Die vom Ehemann betrogene Schauspielerin mobilisiert die Presse, um ihr höchst privates Leiden in den Rang einer gesellschaftlichen Katastrophe zu erheben.
Gut in Erinnerung ist der öffentlich-rechtliche Talkmaster mit der Lizenz zum Denunzieren. Er bezahlte Drogen und Prostituierte mit Geldern aus Gebühren, den Zuschauern abgefordert für die von der Verfassung vorgesehene „kulturelle Grundversorgung“. Die Gebühreneintreiber und -verwalter schreiben weiterhin vor, womit versorgt wird und lassen es sich von einer an-Gestellten Medienforschung bestätigen, die natürlich ebenfalls von Gebührengeldern lebt. Mit diesem Segen durfte sich der amoralische Großdenunziator im Fernsehen unverfroren als Megamoralist präsentieren – er brachte Quote. Seine Lebensgefährtin, gut bekannt für Quoten im „Schmuddel-TV“, ließ er auch gleich mit einem gut dotierten Sendeplatz versorgen. Und der Oberhäuptling der Anstalt finanzierte sich aus Gebühren eine ganz sicher kulturvolle Geburtstagsfeier im Luxushotel. Fast zur selben Zeit deckte ein „investigatives“ Magazin des Senders „schonungslos“ auf, wie Personalräte die Macht ihres Autokonzerns zu Lustreisen nutzten.
Unfälle? Zufälle?

Lechtsrinks auf dem Vormarsch

Wahlrecht_-_Das_Illustrierte_Blatt_-_Januar_1919Dass ehemalige Anhänger der Linkspartei im Berliner Osten ebenso wie in Meckpomm massenhaft zur AfD überlaufen, ist vollkommen verständlich. Ebenso wie – schon fast vergessen – Wählerwanderungen von bürgerlichen Parteien (dazu gehörte die SPD) in Richtung „Protest“ bei den absterbenden „Piraten“. Glaubte ich daran, dass der Staat gefälligst für mein Wohlergehen zu sorgen habe, wählte ich vermutlich auch eine Partei (oder schlüge mich einer stellvertretenden NGO zu), die mir verspricht, den Staat und die Gesellschaft dahingehend zu ändern, dass er seine Fürsorge vor allem meinen Interessen angedeihen ließe. An dieser subjektiven Wahrnehmung, zum Herdenimpuls verdichtet, starb nicht nur die Weimarer Republik.

Demokratie und Rechtsstaat sind ein verdammt schwieriges Geschäft. Leute, die gern Probleme im Interesse des Gemeinwesens – relativ unabhängig vom eigenen Vorteil – lösen, lassen sich darauf ein, aber auch Karrieristen. Für sie kommt dann selten ein schneller Profit des Typs "Mir nützt, was anderen schadet" in Sicht. Mit solcher Erwartung ist indessen das Wesen des Menschen tief imprägniert. Manche Kulturen bewahren es sorgsam, indem sie ihren Anhängern die Überzeugung vermitteln "Du bist erhaben, die anderen minderwertig". Sie haben eine beinahe unwiderstehliche historische Wucht auf ihrer Seite, schneller, massenhafter Zulauf war stets garantiert. Vernunft und Logik spielen einfach keine Rolle, wenn jeder blutige Depp sich gebenedeit fühlen darf, vielleicht sogar Führer werden. Religionen – natürlich auch Ersatzreligionen – rekrutieren so ihre Anhänger und Aktivisten.

Der säkulare Staat wandelt solche überkommenen, tief verwurzelten Gefühle von eigener Höchstwertigkeit ab. An ihre Stelle tritt die staatlich garantierte Anspruchsberechtigung. Der Bürger des fürsorglichen Staats erwartet, dass er jedem anderen gegenüber zumindest gleiche, gern etwas privilegierte Ansprüche hat – und die „Staatsdiener“ leben ihm das vor. Wer weniger brav ist, hat weniger zu beanspruchen, meint der Wähler, und macht sein Kreuz dort, wo ihm seine private Werteskala nicht durcheinander gerät. Im günstigsten Fall – bei wirtschaftlicher Prosperität und persönlichem Wohlstand – kommt dabei eine Demokratie liberaler Prägung unter dem Motto „Leben und leben lassen“ heraus.

Keine Gesellschaftsordnung hat indessen vermocht, elementare Strebungen wie Neid, Missgunst, Eifersucht, Argwohn, Machtgier und Habsucht zu eliminieren. Demokratie und Rechtsstaat ziehen Grenzen und lassen menschlichen Regungen wie Großmut, Hilfsbereitschaft, Zuwendung, Vertrauen, Demut, Bescheidenheit einigen Raum, sich zu entfalten. Das sind Rettungsanker noch in schlimmsten Formen der Gewaltherrschaft, sie sind gleichwohl keine Selbstverständlichkeit, wenn Meinungsfreiheit gerade nicht durch Folterkeller und Sippenhaft bedroht ist. Die Wahl der Mittel bleibt jedenfalls subjektivem Empfinden anheim gestellt, und wo Konkurrenz und Anpassung den Alltag bestimmen, werden sie manchem Anspruchsberechtigten einfach lästig. Wenn der öffentliche Diskurs obendrein vom Nachdenken über individuelle Verpflichtungen aufs Gemeinwohl entbindet, der Staat zwar Vieles verspricht, aber in unvermeidlichen Krisen und Konflikten immer weniger halten kann, dann kommt die Stunde der Rebellen, der Revolutionäre und charismatischen Führer. Der Anspruchsberechtigte macht sein Kreuz dort, wo seine Ansprüche vermeintlich wahrgenommen werden. Der Staat, den er will, soll gefälligst zu ihm passen.

In der Art hat das Houellebecq in seiner „Unterwerfung“ zugespitzt erzählt. Was Demokratie gefährdet, lässt sich ziemlich genau beschreiben. Was massenhaft erwünscht ist, auch. Mit Blick auf IOC, FIFA, EU, UNO, die meisten NGO, ihre medialen Hilfstruppen frage ich mich: Wer will eigentlich noch Demokratie und Rechtsstaat? Wer will mehr als die Freiheit der eigenen "Bedürfnisbefriedigung" und "Anspruchsberechtigung?

Frieden oder Friedhof?

Lenin-statue-in-BerlinNatürlich werden weiterhin diejenigen den Westen als Wurzel allen Übels in der Welt ausmachen, die ihn schon immer so sahen. Dass und wie ihre Wahrnehmung auf Feindbilder fixiert und für die Vernunft unzugänglich wird, hat Umberto Eco in seinem – übrigens brillant recherchierten – Roman “Der Friedhof in Prag” geschildert. Wer weiter an eine jüdische oder westliche Weltverschwörung glauben will, wird sich von Eco sowenig beeindrucken lassen wie vom einschlägigen Kapitel in “Der menschliche Kosmos”.

Der untergegangene “Friedensstaat DDR” im Osten muss in den Erzählungen seiner “Friedensfreunde” auf den neuen Montagsdemos vorbildhaft bleiben, schon weil sie mit dem Argument “Bist du etwa nicht für den Frieden?” – und das bedeutete: gegen den bösen Westen – jeden mundtot machen konnten, der auf sowjetische Kriegsverbrechen in Polen, Millionen Opfer in sowjetischen Arbeitslagern, in den Kampagnen der chinesischen Kulturrevolution und auf den Killing Fields in Kambodscha zu sprechen kam. Es herrschte insofern dort Frieden.

Die Friedensfreunde mit dem rinkslechten Moralfuror sehen auch heute den Westen als eigentlich Schuldigen für die Kriegshandlungen in der Ukraine, für radikal islamischen Terror von Taliban, Al Qaida, Isis, Boko Haram etc. an. Welche Welt wünschen sie sich? Natürlich nicht eine mit entsetzlichen Fehlern und grausamen Irrtümern behaftete, mit ungleich verteilten Gütern und dem unzulänglichen, lernbedürftige Rechtsstaat, wie es die westliche Demokratie ist. Daran müssten sie sich abarbeiten – gemeinsam mit Leuten womöglich, die ihren Pazifismus im Konflikt mit Stasi und DDR-Militärdoktrin gehärtet haben und darum im “Friedensstaat” als “feindlich-negatives Subjekt” verfolgt, inhaftiert, “zersetzt” wurden. Die neuen, besseren Pazifisten müssten sich allerdings fragen lassen, welche persönlichen Konsequenzen sie mit ihrem Pazifismus verbinden: die des Pfarrers Oskar Brüsewitz etwa, den der “Friedensstaat” zum Schweigen brachte?

Wie einfach und effizient ist es doch, sich im verdorbenen Westen stattdessen als einzig wahre Friedensfreunde darzustellen, deren moralische Sendung – kämen sie nur erst an die Macht – die Gewalttäter und Dorftyrannen dieser Welt alsbald ebenso friedfertig stimmte. Beweisen müssen sie das nicht: Ihre Weisheiten verkünden sie aus sicheren Unterständen, nichts ficht sie an. Der Westen schützt – der Meinungsfreiheit verpflichtet – seine eigenen Verächter. Damit widerlegt er freilich die antiwestliche Propaganda einigermaßen überzeugend. Ertragen wir also – wie Joachim Gauck – die Hasstiraden der rinkslechten “Friedensfreunde” von einst und jetzt. Kaum einer von ihnen befand sich je in Notlagen; sie sind gerne Nutznießer von Demokratie und Rechtsstaat, solange es sie keine Anstrengung kostet.

Das Problem der Gottesstaaten ist – wie das der Bessermenschen hierzulande – dass sie das eigene Versagen nicht in Rechnung stellen. Sie wollen nicht an Konflikten wachsen, sie wollen das Eiapopeia untereinander und die harte Faust am Gegner. Es funktioniert nicht – bei den “Piraten” nicht, nicht bei anderen Lechtsrinken. Knechtseelen sind Konflikten sowenig gewachsen wie selbsternannte moralische Instanzen. Die Duckmäuserei politisch korrekter Sprache, die dazu passende Meinungs-Führerschaft ihrer Erfinder zielt nicht auf Frieden, sie will Friedhofsruhe.

Das Ende der Regierung Merkel

 

Daran, dass Artikel 5 des Grundgesetzes tief ins Alltagsverhalten der in Deutschland Ansässigen eingewachsen ist, kann nicht mehr gezweifelt werden. Forderte Walter Ulbricht für seine Diktatur noch “Jeder Mann an jedem Ort einmal in der Woche Sport!”, was bekanntlich einen nie mehr erreichten Regen von Medaillen und Rekorden erbrachte, so darf hier und heute gelten “Jeder Mensch in jeder Lage stündlich seine Meinung sage!”, was infolge der “Social Media” zu einer uneindämmbaren Rekordflut qualifizierter Äußerungen wie “Weg mit der Kernenergie” oder “Castor schottern!” führte. Es ist weiter nicht schlimm, dass ersteres auf eine ABSCHALTUNG DER SONNE hinausliefe – es weiß ja sowieso jeder was gemeint ist: Wer für Kernkraftwerke ist, ist für den ATOMTOD und verdient es, verachtet und niedergebrüllt zu werden, also muss man es mit dem physikalischen Grundwissen nicht so genau nehmen.

Ich in nicht ganz sicher, ob Frau Dr. Angela Merkel der Wind – dank des Grundrechtes auf freie Meinungsäußerung von allen und jedem jederzeit loszulassen – dermaßen heftig ins Gesicht weht, weil oder obwohl sie Physikerin ist. Mir kam dieser Tage die Philippika eines Chemikers ins Haus, der todesmutig für die Nutzung der Kernspaltung als Energiequelle eintritt, deshalb mit Frau Dr. Merkel hadert und ihr in einem – ausdrücklich zur weiteren Verbreitung freigegebenen Brief folgendes schreibt:

“Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,

mit Ihrer Fukushima-Entscheidung haben Sie das Vertrauen der verantwortungsbewußten Bürger verloren. Fukushima hat keine für die deutsche Kerntechnik relevanten neuen Erkenntnisse gebracht. Laut einem Bericht der IAEA wurden in Japan keine gesundheitlichen Strahlenschäden bekannt. Die Fehler von Fukushima, welche die Knallgasexplosionen ausgelöst hatten, waren bekannt, nämlich die mangelhafte Notstromversorgung und das Fehlen von Rekombinatoren, die in Deutschland vorgeschrieben sind.
Das Tempo und die Oberflächlichkeit, mit der Sie das Gesetz zur Vernichtung der deutschen Kerntechnik vorbei an den Interessen Deutschlands, vorbei am Parlament, vorbei an Europa, vorbei an den Aussagen von Fachleuten, vorbei am Schicksal der Betroffenen durchgedrückt haben, zeigen, daß Sie nicht an Fakten, sondern am persönlichen Machterhalt interessiert sind. Über Kosten und Folgekosten Ihrer Fehlentscheidung haben Sie sich keine Gedanken gemacht. Wodurch der Kernstrom ersetzt werden soll, wissen Sie nicht.
Kernenergie, die sicherste und preisgünstigste Energiequelle für die Stromerzeugung, ist für sämtliche Industrienationen unverzichtbar, weil ohne Kernenergie die Weltenergieprobleme nicht lösbar sind. Nach Fukushima hat China den Bau von 40 neuen Kernkraftwerken (KKW) bekanntgegeben. Frankreich baut in Indien das größte KKW, die Vereinigten Emirate planen 4, Saudiarabien 16 neue KKW. Auch die Ukraine kann nicht auf KKW verzichten, um nur einige wenige Beispiele für den weltweiten Ausbau der Kernenergie zu nennen.
Die Folgen Ihrer Politik sind für die Erhaltung des Industriestandortes Deutschland destruktiv. Deutschland gehört nicht mehr dem Club der führenden Forschungsnationen an. Über Produktionsmethoden entscheidet nicht mehr der Markt, sondern die Ideologie des Staates. Strompreise, Stromausfälle, Steuerbelastung und Staatsverschuldung steigen. Industriezweige wandern aus, Arbeitsplätze verschwinden, die Armut nimmt zu.
Ihre Politik fördert nicht die Soziale Marktwirtschaft, ohne die Wohlstand für alle nicht möglich ist, sondern die Zwangswirtschaft im Sinne des Sozialismus. Sie vergeuden Steuergelder für die unsinnigsten Projekte. Von den Verantwortungsträgern in Wirtschaft und Politik hat niemand den Mut, Sie in die Schranken zu verweisen.
In Sorge um die Zukunft der jungen Generation halte ich Ihren Rücktritt für alternativlos, wenn unsere Demokratie erhalten bleiben soll
Hans Penner”

Das ist ein langer und zorniger Brief.
Aber selbst die sofortige Enthauptung von Frau Merkel, die Erhebung der gesamten Regierungsmannschaft an Berliner Laternenpfähle – die Frauen würden selbstredend nach Kreuzberg verbracht um dort in Gesellschaft von Herrn Sarrazin und unterm Applaus multikulturell-grünalternativ-linksethischer Gutmenschen der Steinigung durch die Rechtgläubigen anheim zu fallen – würde, so fürchte ich, kein einziges Problem lösen.
Freilich: Herr Trittin, die Damen Künast, Roth und Schwarzer hätten einen großen Tag, die Genossen aus Lichtenberg und Hohenschönhausen würden „Völker hört die Signale!“ singen und vielleicht die Stunde des letzten Gefechts für angebrochen halten.
Ich glaube aber nicht, dass davon in China mehr bemerkt würde, als vom gleichzeitigen Umfallen eines Sacks Reis bei einem chinesischen Händler auf Bali.

Das war jetzt zum langen Brief keine lange Stellungnahme. Gott sei Dank sind sowohl Länge wie Inhalt vom Artikel 5 des Grundgesetztes gedeckt. Es darf sogar darüber gelacht werden, auch wenn’s eigentlich zum Heulen ist.

Zukunft, Panzer und Moral

Bald 500 Jahre alt ist Thomas Morus’ Roman von der Insel Utopia.

Ob sie als Satire, Albtraum oder Zukunftsvision einer moralisch geläuterten Nation gelten darf, ist die Frage

Insel_Utopia

Zu bestimmten Terminen wird der sowieso weitgehend homophone Journalismus in seinem Gleichklang besonders penetrant. Einer ist – falls sich seiner überhaupt jemand erinnert – der 17. Juni. Über die plattgewalzten Gefechtsfelder der Quotenmedien “walzen die Panzer des SED-Regimes” oder “der Sowjets”,  “den Aufstand der ostdeutschen Arbeiter nieder”, oder so ähnlich. In der Abgasfahne verwehen noch ein paar pflichtgemäße Hinweise auf Stasi, den Bau der Mauer, das politische Personal und das Ende der DäDäÄrr – auf zur nächsten Agenturmeldung.

Über eigentlich Wichtiges wird kein Wort mehr verloren, denn aus Geschichte, lernt sowieso niemand etwas, schließlich gibt es Statistiken, mit deren Hilfe sich Zukunft präzise vorhersagen lässt, je genauer und umfänglicher Daten erhoben worden sind, desto besser. Nun ja.

Ein Blick auf die Zukunftsprognosen des Jahres 1953 – die in den am meisten konsumierten Kanälen, die am weitesten verbreiteten, am innigsten geglaubten und brachial gegen abweichende Meinungen durchgesetzten, lassen ahnen, dass es um die gesicherten Weisheiten von heute nicht besser steht als um die “wissenschaftliche Weltanschauung”, kremlastrologische Vorhersagen oder vermutete Trends in Technik und Wirtschaft von damals. Das einzige, was sich damals wie heute dauerhaft bewährt, ist die Fähigkeit menschlicher Wahrnehmung, unangenehme Tatbestände auszublenden.

Zu diesen unangenehmen Tatbeständen gehört, dass eine überwältigende Masse der Bevölkerung in Deutschland der Machtübernahme der Nazis 1933 zujubelte, bei der Ausrufung der DäDäÄrr 1949 die Köpfe einzog und nickte, am 17. Juni 1953 mit eingezogenem Kopf und eingeschaltetem RIAS zu Hause blieb. Sie hätte die Köpfe auch 1989 und darüber hinaus eingezogen, hätte nicht die politische Großwetterlage – vor allem die Situation in der Sowjetunion, in Polen, in Ungarn – hätten nicht Massenflucht, der Präzedenzfall von Leipzig und der Aufwind der Opposition den Impuls “Ich auch” zum Mitmarschieren in die neue Richtung ermutigt. Der Marsch schwenkte rasch und deutlich in Richtung “erst kommt das Fressen, dann die Moral”. Fast alle, auch die strammsten SED-Mitmarschierer waren dabei.

Es wäre nicht Deutschland, verliefe der Marsch unter dem Banner “Ich will das jetzt auch” anders als in Richtung der just am mächtigsten Erscheinenden, jener, deren Heilsversprechen mit dem größten Verdrängungsvermögen gegen die Konkurrenz einhergehen. Manche nennen das hinterher Revolution.

Wenn alle – auch Katzen, Hunde, Meerschweinchen etc. satt genug sind, die Frage nach dem Fressen also nur noch hinsichtlich der Details “Bio oder nicht?”, “Fleisch oder nicht?” unbeantwortet, dann ist’s in Deutschland Zeit, die Moralfrage zu stellen.

Führerinnen und Führer finden sich alsbald, die Freispruch von allen Sünden, die Zugehörigkeit zum Strom des Guten verheißen. Linksrotgrünen, tier- und naturschützerischen, esoterischen Populationen, Glaubensrichtungen aller Art verkündigen sie eine bessere, saubere, moralischere Welt vollständiger Gleichberechtigung für alles und jeden, sie werden zur Avantgarde für all jene, sich zu kurz gekommen, von der Demokratie enttäuscht fühlen. Eine neue Zukunft muss her: Utopia.

Tatsächlich bedienen sich die Künder der neuen Zukunft einer wohlbekannten politischen Kraft: des “kleinen Mannes”, manchmal im Journalistenrotwelsch auch “der kleine Mann auf der Straße” genannt, inzwischen viel deutlicher als “der kleine Mann auf der Datenautobahn” auszumachen. Er will sich dort nicht allein fühlen, er will mitlaufen. Schon strömt in Communities zusammen, was nichts so sehr fürchtet, wie nicht dabei zu sein, wenn es Machtgefühl wie Freibier zu saufen gibt. Das könnte man aus der Geschichte lernen.

Die nicht mitmarschieren wollen in den moralischen Feldzügen deutscher Duckmäuse gegen den Rest der Welt, werden allerdings nicht die Köpfe einziehen: Damit der 17. Juni 1953 ebenso Geschichte bleibt wie der 13. August 1961, der 30. Januar 1933 und der 9. November 1938.