Avatare oder handelnde Personen?

Unappetitlich erfolgreich: die friedliche Küchenschabe.

Unappetitlich erfolgreich: die friedliche Küchenschabe.

 

Photo by Joăo Estęvăo A. de Freitas.

Die Kampagne gegen das Rauchen ist fast vorbei, die gegen Kinderpornographie war auf technische Details des WWW versessen und folgenlos, die Kampagne gegen das Zu-dick-Sein ist in vollem Gang, die gegen Alkohol so notorisch blödsinnig wie die gegen Gewaltdarstellungen.
Tritt jemand einmal einen Schritt zurück und fragt, was es eigentlich ist, das Menschen treibt zu derlei Übergriffen und Ersatzhandlungen? Worauf gründet der Geschäftserfolg von „Dschungelcamp“, die Anziehungskraft des subtilen Sadismus von Herrn Bohlen und Frau Klum und die Quotensicherheit jeder Sorte Antastung dessen, was laut Grundgesetz unantastbar sein soll? Hilft das Starren aufs simuliert Scheußliche dabei, das ganz reale Elend nicht wahrnehmen zu müssen?

Sie werden nicht gestellt. Nicht von Anstalten mit grundgesetzlichem Auftrag, geschweige von den als Quoten- und Geldmaschinen funktionierenden Medien der Privatwirtschaft. Nehmen wir also den armen Angestellten dieser Institutionen solche den eigenen Broterwerb gefährdenden Fragen ab. Die Antworten allerdings wird der mündige Bürger und Medienkonsument selber finden müssen. Sie werden ihm möglicherweise etwas mehr Intelligenz und Handlungsfähigkeit  abverlangen, als der Verzicht auf den Verzehr toter Tiere. Er wird sich entscheiden müssen, die Beziehungen zu den Menschen seiner Umgebung wichtiger zu nehmen als Geldanlagen und Risikovorsorge.

Erfreulicherweise gibt es schon Menschen, die heikle Fragestellungen zum Ausgangspunkt einer neuen Form des Wirtschaftens machen wollen: einer . Sie haben für den 11.02.2011 ein ihres Projekts in Pforzheim anberaumt. Das RealExperiment für eine Wirtschaft weg von den Sachen, hin zum Menschen. Interessiert?

Schmutzige Strahlen – saubere Strahlen

Binsenwasen bei Baden-Baden

Sonne und Schnee - Symbole der Reinheit

Aus China kommt eine Erfolgsmeldung: Der “Spiegel” und andere Publikationen geben eine Information des chinesischen Staatsfernsehens weiter, wonach Wissenschaftler daselbst einen entscheidenden Schritt bei der Aufbereitung benutzter Brennstäbe aus Atomreaktoren voran gekommen sind.

Das wäre ein Durchbruch für die Nutzung von Energie aus der Spaltung von Atomkernen. Sie ist seit dem Unfall im sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl im April 1986 zum Symbol für “schmutzige” Energie geworden, weil die Explosion eines Reaktors damals unbeherrschbar große Mengen radioaktiver – also für menschliches Leben gefährlicher – Partikel in die Atmosphäre schleuderte. In Deutschland starb kein einziger Mensch, nur die Forschung an dieser Form der Energieerzeugung; Diskussionen zum Thema nahmen religiöse Züge an. Massenhaft wurde das Mantra: “Sonne und Wind sauber, Kohle, Öl und Kernenergie schmutzig” wiederholt; sich an Bahngeleise zu ketten, Transporte von radioaktivem Müll zu verhindern gilt manchen als Heldentat.

Solche Transporte würden die Chinesen künftig nicht mehr brauchen, denn sie könnten direkt neben den Kernspaltungs-Reaktoren Anlagen zur Aufbereitung von Brennstäben betreiben. Sie werden das bestimmt tun, schon um die begrenzten Reserven an spaltbarem Uran um den Faktor 60 (!) besser zu nutzen. Sie werden die bösen, schmutzigen Chinesen sein.

Unsere Grünen, unsere politischen Saubermänner aller möglichen Parteien aber werden ihrer Gemeinde die frohe Botschaft verkünden: ihr seid sauber! Denn bei der Produktion von Solarzellen  (aus Kostengründen gern in China), Windrädern, Biogasanlagen, bei deren Transport an Einsatzorte, bei deren Wartung, Reparatur, Erneuerung, bei der Produktion von wärmedämmenden Kunststoffen für die Sanierung unzähliger Altbauten nebst deren Erneuerung, weil sie sich als Schimmelbrüter erweisen, bei Monokulturen aus die Landschaften verwüstenden Mais- Raps- und Werweißwas-für-Energiepflanzen, bei der klimaverändernden Wirkung von Windparks für die atmosphärischen Strömungen bleibt es sauber, sauber, sauber – das Gewissen. Gefährlich sind immer die anderen.

Ein guter Freund hob auf die “Spiegel”-Meldung hin beschwörend die Hände: “Wiederaufbereitung! Das schmutzige Strahlungszeug könnte ja dann direkt am Weltmarkt gehandelt werden, auch von Schurkenstaaten!” Könnte es. Wird es vermutlich auch. Ich bin nur nicht sicher, ob aus einem Schurkenstaat durch das Aufstellen von Windrädern ein achtbares Gemeinwesen wird, mal abgesehen davon, dass für solche Sozialgebilde – in der Regel durch religiöse Wahnvorstellungen zusammengehalten – wir die Schurken sind.

Jetzt fragen Sie mich mal, welche Wahnvorstellungen uns zusammen halten. Es ist – neben anderen – die, Probleme der Zivilisation, also vor allem , mit technischen Mitteln lösen zu können. Man nennt das auch “Versachlichen”. Abgesehen davon, dass diese Wahnvorstellung täglich neue Katastrophen hervorbringt – sie ist nur eine Form des Herrschaftswahns, dessen Ziel die ist. Herrschaftswahn ist vor allem an einem Symptom zu erkennen: Schmutzig sind die anderen; jede Frage wie schmutzig die eigenen Geschäfte sind, jede Diskussion, ob Schmutz womöglich zum Leben gehört, wird ausgeblendet. Aber “Reinheit” ist keine Kategorie der Natur, nur eine Hervorbringung jener Kultur, die sich selbst als “sauber” deklariert, um alles “Schmutzige” dominieren bzw. ausrotten zu dürfen.

Der Schnee ist nicht sauber. Die Sonnenstrahlen sind es auch nicht.

Wo Funken sind, ist Hoffnung

Abendstimmung am Kurhaus

Kultur schafft Vertrauen

Das war eine seltsame Erfahrung am Sonntagabend: Zur zweiten Veranstaltung „Leben Lesen“ kamen viel weniger „Miterzähler“ als zum Sommerevent im August; vermutlich wird es diesmal auch kein Presseecho geben. Dennoch war die kleine Versammlung außergewöhnlich, anregend, reich an verschiedensten An- und Einsichten – niemand hätte es erwartet. Das lag zum einen an der Art, wie sich die erzählerische Improvisation entwickelte, zum anderen an den „Mitspielern“ selbst, deren Lebensgeschichten wahrhaftig um den Erdball reichen: eine Sängerin von den Philippinen, eine Germanistin französischer Herkunft, eine Wirtschaftsfachfrau aus China, eine Eventmanagerin aus Russland, eine deutsche Künstlerin, ein Ingenieurwissenschaftler, dazu ein Politiker mit rumäniendeutscher Jugend, ein Schriftsteller aus Zürich, ebenfalls in Rumänien geboren, ein deutscher Unternehmensberater, der gerade sein erstes Buch mit Lyrik und Aphorismen veröffentlicht hat …
„Herbstzeit – Lose: Schicksale, Wendungen, Ausblicke“ – dieser Titel stand über dem Abend. Wir haben eine Ahnung davon bekommen, wie eng Schicksale in unserer Welt zusammenhängen, wie erstaunlich, wie bereichernd, beglückend, wie unentbehrlich der Austausch der Kulturen in Zukunft sein wird – und dass Baden-Baden dafür ein privilegierter Ort ist. Und deshalb lohnt es sich, weiterzumachen, auch wenn aus „Leben – Lesen“ vorerst kein „Megaevent“ mit medialer Schallverstärkung wird.

Hoffen und Harren …

Pinup-Bild

Mit mir geht's Dir schön


Es gibt Internetportale im Weiterbildungsgeschäft und bei der Arbeitsvermittlung, die seit Jahren so häufig wie folgenlos beteuern, auf dem Arbeitsmarkt wachse die Begehrtheit älterer, berufserfahrener Arbeitnehmer. Nur der „Tatort“ wird im öffentlich-rechtlichen Programm öfter wiederholt als diese Beschwörungsformel fern jeder Realität.
Ich gestehe, dass ich mich vor längerem erboten habe, mein Expertenwissen – z.B. als Moderator und Kommunikationstrainer – bei einem mit derart farbigen Träumen hausierenden Unternehmen einzubringen.
Heute fand ich in meiner – ansonsten äußerst übersichtlichen – Mailbox daselbst das Angebot einer Dame mit dem klangvollen Namen Mrs. 101. Sie versprach mir, falls ich ihr hülfe, ein kleines Vermögen aus ihrer Witwenschaft sicherzustellen, mich an den irgendwo im Ausland deponierten 2,2 Millionen Dollar zu beteiligen, die ihr verstorbener Ehemann ihr hinterließ.
Wenigstens einmal also bringt mir das Expertenportal Aussicht auf einen Nutzen. Was aber sagen die Experten? Soll ich Mrs. 101 beispringen oder soll ich nicht? Meinem Herzen folgen oder dem Verstand?

Vor der Frage nach dem Sinn

Erfahrungen und Lektüre der vergangenen Tage und Wochen weisen wieder ganz eindeutig darauf hin: unser Zusammenleben, unser Wirtschaften vor allem wird sich ändern müssen. Das ist keine Frage alternativer Energien, die ein ökonomisches und soziales „mehr Desselben“ erstreben. Das Ziel sind neue Formen der Zusammenarbeit und des Zusammenlebens.
Das „RealExperiment sinnvoll wirtschaften“ geht einen ersten Schritt – ich freue mich, diesen Versuch publizistisch begleiten zu können. Gebhard Borck, Markus Stegfellner und Andreas Zeuch sind keine Tagträumer, sie zeigen, dass und wie’s gehen kann.
Darüber berichten sie selbst in einem anregenden kleinen Film.
Es lohnt sich mitzumachen.

Ermutigung mit Zeitzünder

Es hat zwar ein bisschen gedauert, aber wenn nach vier Jahren ein Buch so gelobt wird, wie „Der menschliche Kosmos“ jetzt vom wirklich sachkundigen Andreas Zeuch auf „psychophysik.com“, dann ist es ein deutliches Zeichen für die Frische der Texte und ein Grund zur Freude:
„Wer sich von – wie es auf dem Buchrücken selbst lautet – „Fundsachen“ inspirieren lassen kann, wird reich belohnt. Und wer dann noch bereit ist, die „praktischen Übungsstückchen“ zu erkunden, wird aus eigener Erfahrung Neues lernen können.“

You tube für die Eine Welt

Javanischer Bauer pflügt mit Ochsen

Bauer im Dürregebiet auf Java

Seit gestern online: das Film- und Bürgerportal ”Human Pictures”. Wer engagierte Filme, Videos , Fotos – sei’s auch nur vom Handy – hochladen möchte, die ein besseres Zusammenleben von Menschen und Völkern zum Ziel haben: Hier ist der richtige Platz. Zitat aus der Plattform:
”In welcher Welt möchten Sie leben? In einer, wo niemandem etwas passieren kann, weil es eine perfekte Kontrolle gibt, oder in einer, wo jeder seinem Mitmenschen vertrauen kann, weil fast alle sich an Werten wie Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, Selbständigkeit und Verantwortungsbewusstsein orientieren?
Gefiele Ihnen ein perfekt funktionierendes System besser – mit vollkommener Gerechtigkeit – oder ein Gemeinwesen, in dem jeder aus Fehlern lernen darf, sich aber auch nicht vor schwierigen Aufgaben drücken muss?”