Die Nackten und die Toten

Zu dem kommenden Riesenprozeß gegen den Massenmörder Haarmann , welcher 27 Morde in Hannover vollbrachte. Zu dem Prozeß sind über 190 Zeugen geladen und ist mit einer Prozeßdauer von 14 Tagen zu rechnen. Der Massenmörder Haarmann in Ketten gehalten durch Kriminalbeamte, wird gefilmt.

Der Serienmörder Fritz Haarmann, von Polizeibeamten in Handschellen gefilmt. Bundesarchiv, Bild 102-00824 / CC-BY-SA 3.0

Mörder und Sexualverbrecher machen sich am Pranger besonders gut – das uralte Sozialritual entfaltet bei ihnen seine ganze Anziehungskraft. Davon leben BILD, RTL, Holly- und Bollywood, auch alle die nigerianischen Filmproduktionen, die ihren Vorbildern nacheifern, was manche linksgestrickte Miesepeter als späten Sieg des Kolonialismus missbilligen, ein unbelehrbarer Optimist wie ich als das Problem fortwirkender Steinzeitimpulse in jeder Art Gesellschaft interpretiert.

“Gewalt Macht Lust” – die heilige Dreifaltigkeit menschlicher Triebimpulse – macht Quote. Klar: Menschen leben, überleben auch dank anderer Eigenschaften: Empathie, Kooperationsbereitschaft, Langmut, Selbstlosigkeit. In den Medien ist derlei natürlich nur als Kontrastprogramm vermittelbar, sonst wär’s langweilig. Schule und Bildung finden daher nur entlegene Sendeplätze, es sei denn, Pädokriminelle rückten ins Blickfeld, so wie Jugendliche hauptsächlich als Drogensüchtige und Krawallmacher von Interesse sind.

Wenn’s der Verkaufe dient, dürfen auch “whistleblower” – auf gut Deutsch Nestbeschmutzer – schon mal als Helden in Erscheinung treten. Im Programm bitteschön, nicht in der Alltagspraxis der gebührenfinanzierten Anstalten! Die Doku “Geschlossene Gesellschaft über Pädokriminelle in der Odenwaldschule passte also zum Herzeigen für den grundgesetzlichen Auftrag der Anstalten, sie wurde – wie alle aufklärerischen Ambitionen – auf einen Sendeplatz jenseits der Primetime verschoben, denn in der Primetime wird mit dem quotenwirksamen Gegenteil versorgt. Nigeria lässt grüßen.

Die in den letzten Monaten aufgekommenen Sauereien zwischen Kika und MDR-Unterhaltungsprogramm sind ebensowenig Zufall und Ausnahme, wie all die Rollenverteilungen innerhalb dieser “geschlossenen Gesellschaft”, die mit finanziellen oder sexuellen Vorteilsnahmen einhergingen und von denen in 60 Jahren korporativer Verschwörung aufs Schweigen nie die Rede war.

Die “Whistleblower” innerhalb der Anstalten des öffentlichen Rechts sind hierzulande nicht weniger gefährdet als Journalisten sonstwo auf der Welt. Sie sind es womöglich noch mehr, denn sie – und alle, die sich mit ihnen verbünden – haben zu verlieren, was hierzulande zum Götzen geworden ist: das An-Gestellt-Sein mit vorzeigbarem finanziellen Erfolg, eine Art von Sozialprestige, das der riskanten unternehmerischen Selbständigkeit längst den Rang abgelaufen hat. Wer sich Feinde beim WDR gemacht hat, findet wenige Freunde bei einer andern Anstalt – dafür sorgen die Netzwerke der “Führungskräfte”. Es sind Netzwerke voller Geschichten von ökonomischer Erpressung und sexueller Abhängigkeit.

Insofern hinterlässt eine Dokumentation wie die über die Odenwaldschule eine sehr, sehr deutliche Unzufriedenheit über den Umgang der Anstalten mit ihren eigenen Defiziten.

Journalisten und der Kampfplatz Büro

Der Film zum Thema "Mobbing" – ein Aufreger

Arbeit sorgt für den Lebensunterhalt – aber sie taugt häufig nicht viel als Lebensinhalt. Das gilt für den Journalismus gerade so wie für andere Berufe, und gerade im Journalismus waren die Verhältnisse nie zuvor so "demotivierend", waren Frust, innere Kündigung, Mobbing so verbreitet wie derzeit. Wenn Kollege Hass beim Flurfunk mitredet, macht Arbeit krank.

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Erfahrungen aus vielen Berufsfeldern sind in meinen Film für den SWR zum Thema “Mobbing” eingeflossen: Recherchiertes und selbst Erlebtes.
Der Film ist inzwischen als Anschauungsmaterial ein heimlicher Favorit bei allen, die sich damit auseinandersetzen – egal ob in Unternehmen, Behörden, Organisationen.
In meinem "Erzählcafé" bei der Sommerakademie 2011 für junge Journalisten in der Friedrich-Ebert-Stiftung werde ich mich mit Konflikten des politichen Journalismus befassen, der für Demokratie eintreten soll, sie aber am eigenen Arbeitsplatz nicht durchsetzen kann. Denn der politische Journalismus hierzulande ist "embedded" in Hierarchien, denen weniger an seriöser, verantwortungsvoller Berichterstattung liegt als an Quoten, Auflagen, Anzeigenkunden. Transparenz ist in Medienunternehmen weitgehend unerwünscht – sie sind Geldmaschinen. "Leistungsträger – Nestbeschmutzer: Rädchen oder Sand im Getriebe" heißt deshalb die Veranstaltung am Samstag, den 9.7. um 15:15 Uhr in der Godesberger Allee 149 in Bonn. Anmeldungen sind noch möglich.
Natürlich bleibt "Mobbing" ein Hauptproblem der modernen Arbeitswelt – egal ob in Konzernen, Sozialeinrichtungen, Behörden oder Schulen. Wenn Sie selbst oder Ihre Kinder davon betroffen sind, schieben Sie die Konflikte nicht auf die lange Bank. Fragen Sie nach, wir finden gemeinsam mit Ihnen neue Wege des Zusammenlebens und der Kooperation.

Es ist erreicht

Spaßeshalber habe ich heute per google mal nach „Ich brauche mich um nichts mehr zu kümmern“ gesucht. Dann habe ich gestaunt.
Es fanden sich unter der Adresse eines österreichischen Esotherikforums die Verse
hallo
ich bin Hansi und mir gehts saugut
denn ich bin an das Ende meiner Suche angelangt:

hier unter diesem Baum
ich bin voll erfüllt
Sehnsucht?
was ist das?
ich habe alles was ich brauche
ich habe auch keine Fragen mehr
ich bin mir selbst genug

manchmal schneide ich mir die Fuss und die Fingernägel
und morgens ein bisschen Hatha Yoga
dann grinse ich besonders
bei der Postur der Anbetung der Sonne
ein glückliches Grinsen

kein verbissenes
ich bin euer Hansi
und habe es geschafft!

Hansi braucht keine Industriegesellschaft. Die Gegenposition dazu erscheint in einem – inzwischen aus dem Web verschwundenen deutschen Politikforum:
Ich werde Schmarotzer!
In Bezug auf unsere beiden Dauerbrenner-Threads habe ich mir überlegt, jetzt Schmarotzer zu werden:

Meine Vorteile:

Ich arbeite nicht mehr. Ok, das ist dann eh klar. Habe keine 24-Stunden-Schicht, keine Steuerlast, Miete wird bezahlt, Kleidung wird bezahlt, Reparaturen werden bezahlt, mir steht sogar ein Schuhschrank auf Staatskosten zu (hatte ich bisher nicht/freue mich), keine Zuzahlung im Krankenhaus, keine Steuererklärung, jederzeit rundum versichert, versorgt, verwaltet. Brauche mich über Parasiten endlich nicht mehr aufzuregen, bin jetzt selber einer. Geil!

Ich brauche mich um nichts mehr zu kümmern. Ich liege im Sonnenstudio.

Nur die Hand aufhalten in einem bequemen Sessel im Flur auf dem Amt, aber da kann ich mir ja mit einer guten Flasche Wein und ein wenig Lachs die Wartezeit versüßen.

Was für ein wunderbarer Staat.

Schmarotzerförderer, Schmarotzerunterstützer, Schmarotzerschützer.“

Wer will, darf gespannt sein, wie der Konflikt ausgeht. Ich bin jedenfalls fest entschlossen, mich nicht darum zu kümmern.
..

Neonazis und andere Freunde der Meinungsfreiheit

Mileke 

Foto von Erich Mielke aus dem Bundesarchiv,

Bild 183-R0522-177 / CC-BY-SA

bei wikipedia "Ich liebe doch alle Menschen"

 

Was befreundete Autoren, die sich mit den Kollateralschäden des SED-Stasi-Sozialismus auseinandersetzen, schon seit Jahren erzählen, wovor ich mich hier in meinem schönen Baden-Baden weitgehend sicher fühlte, das erreicht mich nun über die "Social Networks" – nicht unerwartet und unvorbereitet: die Attacken von mobbenden, spätberufenen Verteidigern der DäDäÄrr. Sie leben nicht in Schwedt an der Oder, Berlin-Lichtenberg oder Suhl in Thüringen, sondern seit ihrer Geburt im Westen, haben das bis heute merkliche Defizit an Konfliktkultur in der Bundesrepublik als persönliche Verfolgung, als Ungerechtigkeit, sich selbst als gedemütigte “Linke” in einer Welt des US-dominierten Kapitalismus, der integrierten Nazimitläufer empfunden: Helden höherer Moral in einer feindlichen Welt.
Nur wenige schafften es, durch einen Aufenthalt in Stuttgart-Stammheim die Brutalität zu beglaubigen, mit der “das System BRD” gegen seine Kritiker vorging. Die meisten wurden einfach Lehrer, Kleinkünstler oder Empfänger staatlicher Fürsorge. Es war nicht einfach, es nach Stammheim zu schaffen. Bautzen ging viel, viel leichter. Aber – mal ganz ehrlich: das hätten sie auch nicht ausgehalten, ohne hartgesottene Antikommunisten zu werden.

Noch nehme ich die mir von der guten alten Stasi vertraute Zuwendung  mit Humor. Die Posts solcher Leute sind von einer Schlichtheit, die sie mit Angestellten der SED-Kreisleitung Posemuckel auf gleiche Höhe bringt, was jeden 14jährigen Facebooknutzer zu Lachnummern inspiriert – aber der aggressive Furor ist unüberseh-, unüberhörbar. Wenn einer sich selbst nur einfach mal das Geschriebene vorliest, schwinden letzte Zweifel:

Kämen sie wieder zur Macht – sie liebten uns auf ihre Weise. Ohne Gnade.

Neues vom Raketenschirm

Friedenskeule SS 20

Friedenskeule SS 20

Der Roman kommt voran. 1976 war ein spannendes Jahr. Die seither unerledigten Aufgaben von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft beginnen ganz allmählich auch Otto Normalverbraucher (der ja eigentlich noch der nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“ entsprang) etwas unheimlich zu werden. Was ist jetzt, fragt er sich, mit der Energie? VW fährt Riesengewinne ein (alle anderen Autokonzerne auch), weil die Chinesen hundertmillionenweise Autos kaufen. Sogar elektrische. Der Strom dafür kommt aber aus Kernkraftwerken – aus immer mehr von den gefährlichen Dingern. Öl wird knapp, Gas wird knapp, die Kohle erschafft das reine Klimaelend, und in Deutschland sind wir aber sowas von vorbildlich mit AKW abschalten, Sonne anzapfen, Windräder bauen, Pflanzen (wir haben gelernt!) vergasen, Müll trennen: da wird’s langsam Zeit, den Schlitzaugen einen Ordnungsgong zu verpassen (Gong sollten sie verstehen)!
Ein erster Schritt: Wir schicken ihnen 100 000 in der Wolle gefärbte grüne Oberlehrer. Wenn das nicht reicht, setzen wir die Troika Trittin-Künast-Roth in Marsch. Per Raketenschirm.
Die spielen da nicht mit ? Die waren schon immer Raketengegner? I wo. Die waren nur gegen amerikanische Pershings. Die gute alte SS 20, von Leonid Breshnews Propagandatruppen als Friedensrakete etabliert, hat ihre politischen Ziele nie behindert. Vielleicht können sie mit den fein gesponnenen russischen Connections ihres einstigen Chefs im rotgrünen Kollektiv die SS 20 als Druckmittel gegen Peking revitalisieren. Käme gut in den deutsche Medien – oder?
Endlich erneuerbar! Alles! Weil mit ein paar von den Raketenhämmern jeder Widerstand gegen saubere Volksenergie und saubere Luft in deutschen Kneipen endgültig zu brechen wäre. Es lebe die Volksgesundheit! Nieder mit Rauchern und Freunden der Atomkraft! Antifa! AntiKKW! Wir schottern Castor, Pollux, morgen die ganze Welt!

Ein Friedhofsjahrgang – ein Zeitalter

Recherchen zu einem Buch nehmen manchmal seltsame Umwege: Meine Erinnerungen an das Jahr 1976 sind ziemlich präsent, trotzdem vergewissere ich mich bisweilen – etwa darüber, was gerade in der Welt geschah, während Gustav Horbels Regiestudium knapp vor einem abrupten Ende stand.

Als schritte ich eine lange Reihe von Gräbern entlang, so ist mir bei Betrachtung dieses Jahres 1976, und vor jedem Stein oder Kreuz muss ich verweilen, weil mein eigenes Leben auf besondere Weise mit den Toten verbunden ist: jetzt, 35 Jahre nach ihrem Tod sogar intensiver als damals. Komme ich selbst dem Tod immer näher, da ich mich nun schon jahrzehntelange mit den Hingeschiedenen befasse? Oder zeigt sich an diesem Phänomen die Ganzheit der Welt, in der jeder mit allem verbunden, womöglich in einem die Zeiten übergreifenden Sinn “verschränkt” ist?

Werner Heisenberg verdanke ich meine Vorstellungen von der Quantenphysik; die Frage, ob er den Nationalsozialisten zur Atombombe verhelfen wollte, hat mich lange beschäftigt – zu seinem 100sten Geburtstag habe ich 2001 einen Film gemacht. Die Gedankenwelt des Philosophen Martin Heidegger lernte ich erst in den 80er Jahren kennen; er war in der DäDäÄrr nicht geschätzt, aber für mein Buch “Der menschliche Kosmos” war sein Blick auf die Technisierung der Welt eine Hilfe. Gustav Heinemann, der Bundespräsident der Ära Brandt,  hatte 1950 aus christlicher Überzeugung die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik abgelehnt, war als CDU-Innenminister zurückgetreten, weil er fand, dass Adenauers Politik die deutsche Spaltung vertiefte.

Ein folgenschweres Erdbeben in China 1976 sahen manche als Vorzeichen für den Tod Mao Zedongs, das folgende politische und wirtschaftlich Beben hat die Welt erfasst, auch wenn manche es immer noch nicht merken wollen. In Deutschland starben vier “Überzeugungstäter” in jenem Jahr; ihre Motive könnten gegensätzlicher nicht sein, ihre Schicksale weisen – jedes für sich – auf bis heute unbewältigte Konflikte: Michael Gartenschläger wird von einem Stasi-Kommando erschossen, als er mörderische Sprengfallen an der Innerdeutschen Grenze abmontiert, Flüchtlinge aus dem Osten – so beschrieb es ein hoher NVA-Offizier – “verarbeiteten sich selbst zu Hackfleisch”, wenn sie diese Todesautomaten auslösten. Ulrike Meinhof, von der Gustav Heinemann gesagt hatte: „Mit allem, was sie getan hat, so unverständlich es war, hat sie uns gemeint.“, erhängte sich in ihrer Gefängniszelle, ihrem Tod folgte eine Welle von Terrorakten. Anneliese Michel, 24jährige Pädagogikstudentin, wird Opfer eines Exorzismus – religiöser Wahn im idyllischen Mainfranken. Die Evangelische Kirchenführung im Osten sieht tatenlos zu, wie der Pfarrer Oskar Brüsewitz an seinen Konflikten mit dem SED-Staat zerbricht, er verbrennt sich vor der Zeitzer Michaelskirche.

Da wären noch die Erinnerungen an Max Ernst, Fritz Lang, Man Ray, André Malraux, Benjamin Britten und – ja! – auch an den Miterfinder der sowjetischen Düsenjäger der MiG-Serie, Michail Gurewitsch.

Am Ende des Spaziergangs zwischen den Gräbern von 1976 ist große Dankbarkeit: irgendwo wartet die eigene Reihe, wer Glück hat, muss nicht zu lange ausharren, und Vergessen kann auch eine Gnade sein.

Glücklich die Stadt, die keine Helden braucht

Leipzig, Nikolaistraße, Blick zur Kirche

Was im Herbst 1989 zu machtverändernden Demonstrationen wuchs, hatte Anfang der 80er Jahre als „unabhängige Friedensbewegung“ in der DDR begonnen. Während die SED ihr Propagandafeuer gehorsam auf die Ziele von Breshnews „militärisch-industriellem Komplex“ (Michail Gorbatschow) im Westen eingeschossen hatte, während etliche „Friedensbewegte“ im Westen, unterstützt von DKP und Stasi gegen Pershings demonstrierten und die SS 20 ausblendeten, wagten es einige Mutige im Osten zu fragen, worin denn der Unterschied zwischen einer nuklear bestückten Pershing und einer SS 20 liege.
Sie waren kriminelle Staatsfeinde. Petra Kelly, die Kontakt zu ihnen hielt, wurde von Erich Mielke persönlich zur CIA-Agentin erklärt. Wer dagegen antiamerikanischen Reflexen folgte, bereit war, den Herren der Politbüros ihre Friedensliebe abzukaufen, von dem bedrohlichen Rüstungsvorlauf des Warschauer Pakts abzusehen, durfte sich am Applaus meinungsstabiler Massenblätter wie „Neues Deutschland“ und „Junge Welt“ erfreuen – als Friedensengel. Es gab einen guten Frieden und einen schlechten, und beim guten Frieden machten alle, was das Politbüro sagte.

Ausgelatscht: die Anti-Atomschuhe

Ausgelatscht: die Anti-Atomschuhe

Mit dem Wegfall der Politbüros kam eine gewisse Verwirrung auf: Mancher schämte sich zeitweilig, einst dem ND und der „Jungen Welt“ den Gehherda gemacht zu haben. Aber peu à peu verfestigen sich die Feindbilder wieder. „Atomkraft“ ist die Schreckensvision, hinter der sich das Böse schlechthin verbirgt. Nicht einmal der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher macht noch einen Unterschied zwischen Atombomben und Kernkraftwerken. Niemand darf fragen, ob womöglich die Menschen das Problem sind, nicht die Technik, ob also Strukturen wie die der Firma TEPCO die Gefahr ausmachen, vor der sich alle fürchten sollten.
Es sind Strukturen von Befehl und Gehorsam, von Plan- und Kommandowirtschaft. Sie sind intransparent, sie organisieren die Verantwortungslosigkeit, sie verlagern die Schäden infolge korporativer Hab- und Machtgier aufs Gemeinwesen.
Die Schuhe der „Anti-Atomkraft-Bewegung“ sind ausgelatscht, ihre Argumente zielen allesamt nur gegen eine Technik, statt auf einen Wandel, der Verantwortung für die Energieversorgung dahin verlagert, wo sie hingehört: an das Zusammenspiel von Menschen, die Energie nutzen und Menschen, die sie herstellen. Frieden ist nicht durch Dominanz überlegener Raketen zu erzwingen, Demokratie ebensowenig. Die Qualität menschlichen Zusammenlebens ist überhaupt keine Frage der Technik, sondern eine der Konfliktkultur.