Einsame Größe, Netzwerk fürs Leben: Die Pilze

Buchcover

Kein Lexikon oder Bestimmungsbuch: Eine Expedition

Wer das Staunen nicht verlernt hat, für den ist dieses Buch ein Fest. Robert Hofrichter hat das Verwundern seiner Kinderzeit über Artenreichtum, Formenvielfalt und delikaten Geschmack der Pilze zum Beruf gemacht: Er ist ein leidenschaftlicher Pilzforscher geworden. Er hat dabei, obwohl er über wahrhaft erschöpfende Kenntnisse verfügt, die Neugier ebenso bewahrt wie seine Entdeckerfreude – über die eigenen Arbeiten hinaus. Damit hat er mich derart angesteckt, dass ich unmöglich sagen könnte, welches der 16 Kapitel mich am meisten gefesselt hat.

Hofrichter führt seine Leser durchs unterirdische Reich der Mykorrhiza, wo die Wurzeln der Pflanzen von Pilzen umwoben werden, manche sogar Pilzfäden in ihr Inneres aufnehmen: Beider Stoffwechsel ergänzen einander – „bis dass der Tod sie scheidet“. Tatsächlich ist dieses Sachbuch voller Poesie, und zwar völlig kitschfrei und ohne anthropomorphe Sperenzchen. Sein sympathischer Grundton ist die Liebe des Autors zu seinem Gegenstand: Pilze sind ihm exemplarisch für das große, kostbare Geschenk des Lebens. Er erzählt, wie er seine Frau auf einer Pilzwanderung kennenlernte, wie beide alljährlich das Wachsen und den Wandel dieser eigenartigen Wesen verfolgen, er reist mit uns über Kontinente, durch Wüsten und Meere, er reist Jahrmillionen zurück in die Entwicklungsgeschichte oder in die Steinzeit, als „Ötzi“ den Zunderschwamm, einen Baumpilz, zum Feuer machen und als Heilmittel nutzte. Die alltägliche Begegnung mit dem Speisepilz verbindet er mit kulturhistorischen Anekdoten über Giftmörder, er kennt sich mit Pilzen im Schamanismus, in Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) so gut aus wie in der Mikrobiologie, er zeigt, wie Blattschneiderameisen und Termiten lange vorm Menschen Pilze züchteten. Wir erfahren beim Lesen etwas über die Systematik der Biologie, und wie sie durch immer neue Erkenntnisse von Pilzen – etwa über Flechten – umgewälzt wird. Hofrichter erzählt das alles unangestrengt und unterhaltsam. Das kann nur einer, der gleichermaßen für seine Wissenschaft, fürs Schreiben und die Pädagogik begabt ist. Er verbindet Detailschärfe mit souveränem Überblick.

Zu dieser Befähigung gehört auch, wie er seine Quellen nutzt: Hofrichter bindet Zitate geschickt ein, merkt sorgsam an, bekundet historischen und zeitgenössischen Forschern seinen Respekt. Register und Fotos werden viele Pilzsucher anregen. Zum Schluss, nachdem er Arten- und Formenreichtum der Pilze,  ihr Miteinander mit anderen Lebensformen und den unschätzbaren Wert für die Natur und uns Menschen noch einmal gewürdigt hat, schaut Hofrichter in die Zukunft: Da bleibt unendlich viel zu erforschen, nicht nur was die Eigenarten der Pilze, sondern auch was ihre Rolle in der Biotechnologie und Ökologie anlangt.

Ich gestehe, kein unvoreingenommener Leser zu sein, denn ich bin von Kindesbeinen an „Pilzfan“. Das heißt: Publikationen zum Thema lese ich womöglich besonders kritisch. Wer Kindern Natur und Naturforscher nahebringen möchte – egal ob als Eltern, Lehrer oder in einer Organisation – darf sich getrost diesem Buch anvertrauen, denn es beweist, dass Unverstandenes, Unbeachtetes, Seltsames, auch Irrtümer die Arbeit des Forschers leiten – nicht das quotenverstärkt Banale und das vermeintlich am besten Verkäufliche. In diesem Sinn wäre ihm ein weniger werbeschwülstiger und einfallsloser Titel zu wünschen gewesen.

Robert Hofrichter „Das geheimnisvolle Leben der Pilze – Die faszinierenden Wunder einer verborgenen Welt“, Gütersloher Verlagshaus, 240 Seiten, 19,99 €

Der Affenkönig und die Kommunistin

Gelbflussgeister

Die Ausgabe des Greifenverlages aus den 50er Jahren

Eine Leseratte war ich zeitlebens. Natürlich haben sich die von der Großmutter vorgelesenen, erst recht die selbst verschlungenen Bücher besonders tief eingeprägt. Zu ihnen gehört “Die Geister des Gelben Flusses”, eine Sammlung chinesischer Märchen und Legenden. Der deutsche Sinologe Richard Wilhelm hatte sie 1914 bei Eugen Diederichs herausgegeben, eine gekürzte Lizenz-Ausgabe des Greifenverlags Rudolstadt bekam ich zu Weihnachten 1959 geschenkt. Namentlich die letzte Geschichte, “Der Affe Sun Wu Kung”, grub sich mir ins Gedächtnis und blieb dort, obwohl kurz danach der politische Bruch zwischen Maos China und Chruschtschows Sowjetunion die Kultur des Reiches der Mitte weitgehend aus Bibliotheken und Schulbüchern der DDR verbannte – keine Nachauflagen für “Die Geister des Gelben Flusses”. Daran konnte auch das Nachwort der treuen Kommunistin Klara Blum (chinesisch 朱白兰) nichts ändern, die mit Zitaten Maos und eines damaligen Vizekulturministers die uralten Texte von der Schlacke feudalen Aberglaubens reinigen und dem “jahrtausendelangen revolutionären Traum des Volkes, den es schließlich aus eigener Kraft verwirklicht hat” zuschlagen möchte. Sie lobt Richard Wilhelm als Übersetzer, wirft ihm zugleich vor, in patriarchalischer und bürgerlicher Begrenztheit nicht zu erkennen, dass Sun Wu Kung “die Verkörperung der unterdrückten Klassen in der Ming-Zeit” sei. Die Marxistin fordert im Fahrwasser von Mao und seinen Apparatschiks die Deutungshoheit über das “kulturelle Erbe”. Ihre Erfahrungen in Stalins Russland, wo ihr chinesischer Ehemann sein Leben 1943 in einem Lager verloren hat, erschüttern diesen Glauben nicht.

Die Ironie der Geschichte will, dass Mao und seine “Roten Garden” – von ihrer Mission besonders begeisterte jugendliche Kommunisten – während der “Kulturrevolution” fast die gesamte klassische chinesische Literatur – die westliche Kultur sowieso – buchstäblich vernichten wollten. Zehn Jahre lang, von 1966 bis 1976, rotteten sie alles aus, was nicht zum Bild der einzig wahren Volksherrschaft nach vollendetem Klassenkampf und zu deren vollkommener Harmonie passen mochte. Menschen mit abweichender Meinung wurden denunziert, gedemütigt, in Gefängnisse und Arbeitslager deportiert, ermordet. Tempel, Museen und andere Kulturstätten verwüsteten die Revolutionäre, sie ruinierten das Bildungssystem, indem sie jegliche Wissenschaft, vor allem die Geschichte, an die Bedürfnisse Maos und seiner Gefolgschaft anpassten. Erst nach Maos Tod begann ein mühsamer und widersprüchlicher Weg der Rückbesinnung auf die chinesische Tradition. Der Affe Sun Wu Kung allerdings hatte überlebt, wurde sehr schnell wieder zum Volkshelden; zahllose Filme, Spiele, Kitschprodukte bezeugen seine Unsterblichkeit.

JadekaiserWeihnachten 1959 fesselten mich, den damals Neunjährigen, all die Märchen aus China: Götter und Göttinnen, Dämonen und Gespenster, Flussgeister, Drachen, Hexen und Zauberer verwoben sich darin zwischen Traum und Wirklichkeit so selbstverständlich mit lebendigen Menschen, wie ich es aus Märchen der Gebrüder Grimm und vielen anderen kannte: In Großmut, Liebe und Niedertracht. Ich bestaunte Holzschnitte, die mir im Vergleich zu den Aquarellen meiner Mutter nüchtern, gleichwohl exotisch und geheimnisvoll erschienen. Es gab einen Jadekaiser als Herrn des Himmels, eine Göttin der Barmherzigkeit, einen “göttlichen Landmann” – und alle diese Figuren konkurrierten nicht mit meinem kindlichen Glauben an christliche Verhältnisse von Heiligkeit. Sie waren anders, sehr fern, wohingegen die irdischen Verhältnisse – Neid, Habgier, Zwietracht, Eitelkeit, Herrschsucht, Gewalttätigkeit, Heuchelei, Feigheit… in Konkurrenz zu (auch von meiner Großmutter beschworener) Hilfsbereitschaft, Redlichkeit, Mut, Aufrichtigkeit, Geduld, Höflichkeit… – sich offenbar im fernen China seit alten Zeiten nicht anders gestalteten als in Suhl, einer Bezirkshauptstadt des Arbeiter- und Bauernstaates DDR. Dort ging ich zur Schule und machte auf dem Pausenhof satirisch meiner Empörung über sozialistische Kulturvernichtung in der Volksrepublik Luft. Natürlich gab es Parallelen: Das 11. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965 – auch als “Kahlschlag-Plenum” bezeichnet – hatte eine radikale, dogmatische Parteilinie für die gesamte künstlerische und wissenschaftliche Arbeit durchgesetzt. Das war auch im Unterricht deutlich spürbar.

Der 16jährige Pennäler erfand den “Genossen WU” (leicht als Initial des Spitzbarts an der Spitze zu erkennen), führte absurde Erlasse, blödsinnige Verbote und ideologische Flohknackereien vor. Unterm Gelächter und Applaus von Mitschülern fühlte er sich als Affenkönig Sun Wu Kung aus dem Märchenbuch, der den Himmelsherren herausfordert. Tatsächlich brachten ihm seine Heldentaten eine Einladung zur Schulleitung ein, es war nicht die letzte Strafmaßnahme hochmögender Tempelwächter des Sozialismus. 1989 erlaubten sie ihm schließlich “Die Reise nach Westen”, aber anders als der Sun Wu Kung im klassischen Chinesischen Roman der Ming-Zeit trat er sie nicht als Begleiter einer Delegation an, die weise Schriften des Buddha gen Osten holen sollte, auf dass verkommene Verhältnisse und ehrlos Regierende geläutert würden. Im Osten war Hopfen und Malz verloren. Das einzige was vom Reich der Moskauer Kommunisten und ihrer Statthalter in Ostberlin übrig blieb, war der Aberglaube, ihre Lehre brächte das Heil auf Erden. Meine Reise führte in den folgenden Jahren auch nach China, wo ich Vielfalt und Reichtum überkommener Kulturen bestaunte und verfilmte, zugleich die Schattenseiten der politischen Herrschaft daselbst erfuhr.

Guanyin_GeisterWelche Gottheit mich mit meiner chinesischen Lebensgefährtin zusammengeführt hat, ist bis heute zwischen uns umstritten. Shiqin behauptet, es sei Guanyin, die Göttin der Barmherzigkeit gewesen, ich würde auf Sun Wu Kung wetten. Zum einen demonstriert die Chinesin gern, dass sie mich jederzeit zum Narren halten kann, zum anderen ist sie im Jahr des Affen geboren, und schon als wir uns kennenlernten waren der alte Sun und seine Streiche Gesprächsthema. Wir sind seither einige Mal in China gewesen, haben viele dicke Bücher zusammen gelesen – vor allem zeitgenössische wie die des großartigen Liao Yiwu – aber auch Klassiker wie den “Traum der roten Kammer”.

Als kürzlich “Die Reise nach Westen” bei Reclam in einer vortreffliche Neuübersetzung der Schweizer Sinologin Eva Lüdi Kong erschien, waren wir hocherfreut. Der Wälzer von über 1300 Seiten unterhält uns seit Wochen, nicht nur wegen der drolligen Affengeschichten, über die wir uns schon als Kinder amüsierten, sondern wegen der vielen Querverbindungen zu chinesischer Kultur, Mythologie, Geschichte, die sich Dank der Kommentare und Anmerkungen von Eva Lüdi Kong verfolgen lassen. Wer Chinesisch lernt, kommt an diesem Klassiker kaum vorbei – und wird eine Menge Spaß haben, wenn er in Sun Wu Kungs Abenteuer, allerlei Konflikte von Göttern und Menschen und in die Lehren von Konfuzius, der Buddhisten und Daoisten eintaucht.

Mag sein, dass auch “Die Reise nach Westen“ Objekt von Kämpfen um die Deutungshoheit bleibt – zwischen Anhängern von Religionen und von Mao, Feministinnen, Genderbewegten, Fachwissenschaftlern. Sie alle werden – wie der Vizekulturminister – längst vergessen sein, wenn die alten Texte jedem, der sie zu lesen versteht, immer noch ihre Weisheit und ihren Humor offenbaren.

Die unsichtbaren Führer

Erwin_Schrödinger[2]Das ist Erwin Schrödinger, ein brillanter Autor und Physiker.

Verhältnismäßig wenige Menschen kennen ihn, noch weniger verstehen seine Quantentheorie. Sie hat gleichwohl und dank der Arbeit zahlloser Wissenschaftler und Ingenieure mit und ohne Namen unser Leben völlig umgekrempelt – für die meisten unsichtbar. Die digitale Welt von heute basiert auf Erkenntnissen der Quantenphysik und der Relativitätstheorie von Albert Einstein, gewaltige Lebensleistungen von vielen anderen skalierten sie zum Menschheitspotential wie einst die Physik Newtons und die Dampfmaschine James Watts.

Schaut einer darauf, welche Macht digitale Medien heute im Alltag haben, wird er über die Kluft stolpern. die sich zwischen dem Wissen, der Erfahrung und der Weltsicht eines Erwin Schrödinger und den Wahnideen von Quoten und Umfragen auftut, die sich heute für Wissenschaft ausgeben. Massenhaft laufen Menschen, den Blick starr aufs Smartphone gerichtet, Botschaften nach, deren Macher nicht einmal versucht haben, physikalische Essentials des Mikro- und Makrokosmos, geschweige des Universums zu verstehen. „Urknall“ ist für sie nicht mehr und nicht weniger als ein gut zu bebilderndes Feuerwerk mit einigem Geräusch. Sofern sie nicht der Quote dient, entledigen sich solche Medien der Wissenschaft und ihrer aufklärerischen Bestimmung, sie wird zum Etikett. Ihre Erkenntnisse dürfen – “heruntergebrochen” auf beliebig mangelhafte Wahrnehmung – von jedem Deppen in Dienst genommen werden. Jeder Depp fühlt sich folglich auf der Höhe der ihm vom fürsorglichen Redakteur übereigneten Wissenschaftlichkeit, noch wenn er im Supermarkt seine Karotten kauft.

Nein, ich rede hier nicht von den Dominanzbotschaften religiösen Wahns, denen noch die Kernwaffe zum Instrument ihrer heiligen Bessermenschlichkeit wird: Alle andern dürfen ausgerottet werden, ehe sie sowieso in der Hölle landen, das Paradies gehört den Glaubenskriegern. Ich rede nur vom Halbwissen einer Journaille, die “Erkenntnisse” nur dann aufsucht und publiziert, wenn sie zu ihrem Brötchengeber passen. Sie geht mit Konflikten dieser Welt lässig um, solange es keine Tarifkonflikte sind. Sie brandmarkt Übeltäter umso schonungsloser, je weiter sie davon entfernt sind, karriereschädlich zu wirken.

Solche Leute zeigen mit Fingern auf Trump, ihren eigenen Anteil an der Verblödung von Wählern blenden sie gewohnheitsmäßig aus: Sie werden dafür bezahlt. Der Donald im White House wird vermutlich dem Donald des Wahlkampfes so ähnlich sehen, wie der am Zaun des Kanzleramts rüttelnde Gerhard dem Agenda-2010- und Northstream-Profiteur. „Im engen Kreis verenget sich der Sinn, es wächst der Mensch an seinen größeren Zwecken.“ – meinte Schiller, und so wurden aus Kommunisten Nazis, aus der Physikerin Merkel die Totengräberin der deutschen Kernforschung, aus allen möglichen vermeintlichen Rettern und Retterinnen der Nation, der Umwelt, der Menschenrechte, der Frauen, Minderheiten, sonstwie Benachteiligten, kurz: den Weltverbesserern aller Rassen, Religionen und Ideologien normalerweise ziemlich erfolgreiche und mächtige Profiteure oder die Opfer der nächsten Wahnideen. Ja, es gibt Ausnahmen. Die meisten machten einfach ihre Arbeit, manche wurden dadurch sogar berühmt, obwohl sie keine Anpasser waren.

Ein tragischer Held – links, grün, vergessen

Bahro

Vierzig Jahre werden es, dass Rudolf Bahro seine radikale Abrechnung mit dem “real existierenden Sozialismus” in Buchform fasste. Die DDR-Oberen hatten 1976 gerade Wolf Biermann ausgewiesen, die kulturelle Landschaft riss auseinander, nicht nur wegen Biermann, sondern auch wegen der vielen anderen, die sich an seine Seite stellten und nun erpresst, bedroht, bedrängt oder bestochen wurden, auf dass sie widerriefen. “Die Alternative” durfte natürlich nicht in der DDR erscheinen, ihr Autor wurde von der Stasi inhaftiert, als er das Buch 1977 im Westen veröffentlichte.

Zehn Jahre später las Bahro dem Westen die Leviten und prognostizierte ökologische und soziale Katastrophen. Ist seine Analyse überholt? Es lohnt sich, angesichts der Konflikte unserer Tage das Scheitern dieses “linksgrünen Propheten” noch einmal genauer anzuschauen. Was haben heutige Weltenretter und Verkäufer linksgrüner Rezepte mit Bahro gemein? Wie sähe er es, wenn unter schadenfrohen Kommentaren autoritärer Regimes und ihrer Mitläufer lechtsrinke (oder rinkslechte) Heilsbringer demokratische Grundwerte zersetzen, wenn Tendenzen zum fürsorglich-bevormundenden Staat den Wert individueller Freiheit in Frage stellen wie einst in der DDR, wenn dem Bürger ein Korsett politisch korrekter Gesinnung aufgeschwatzt , Sicherheit vor Freiheit wieder zur Raison d’être wird?

Vor zehn Jahren habe ich ehemalige Weggefährten Bahros befragt. Das Radiofeature auf SWR 2 enthält frappierend aktuelle Einsichten in den Unsinn und die Gefahren utopischer Konstrukte mit Massenwirkung. “Den Fürsten der ökologischen Wende”, von dem sich Bahro die Weltenrettung versprach, hat es nie gegeben. Heerscharen von gewaltbereiten Mitläufern für alle möglichen Heilsversprechen gibt es. Viel mehr als er gern auf seiner Seite gehabt hätte.

Vom Glück des Alterns

img_20160902_154703Müsste ich mich morgen aus dem Leben verabschieden, täte ich ’s mit einem Gefühl tiefer Dankbarkeit. Es war köstlich, Mühe und Arbeit waren erwünscht, die Liebste, die Freunde, die Wege durch Kunst und Wissenschaft, begleitet von sehr verschiedenen Menschen – Persönlichkeiten – beglückendes und erfüllendes Sich-Begegnen, konfliktreiches Geschehen: Fluss, Sturz und Rausch. So konnte ich meine Bücher schreiben, meine Filme und Radiofeatures machen. Wer immer mich kritisch begleitete, mich zu Veränderungen zwang, weil er gute Argumente hatte, mir die Leviten las, war ein Helfer zum Glück.

Das Altern sagt – auf andere Art als äußere Umstände nicht nur in früheren Jahren: Erkenne deine Grenzen. Die äußeren Umstände sind indessen – heute so wenig wie damals – nicht das Wichtigste. Mag sein, dass deine einstigen Hoffnungen nicht die der Jungen sind – so wenig wie die Hoffnungen deiner Eltern die deinen waren. Und das bedeutet: Halte deine Augen offen fürs Wesentliche. Falls doch einmal ein Kind oder ein heranwachsender, naturgemäß krisenanfälliger Mensch mit dem ganzen gewaltigen Gebirge der Zukunft vor Augen dich fragen sollte: Du kannst, musst ihn nicht von eigenen Fehlern abhalten, aber Hinweise auf Rettungsanker und verlässliche Wegweiser kannst du geben.

Ist es nicht eine wunderbare Aussicht, für solche Fälle aus Bücherregalen und Mediatheken schöpfen zu können, die ihren Wert im eigenen Erleben bewährt haben, einem Erleben, das von sich sagen kann: Ich möchte – auch und gerade wegen der Bauchlandungen – mit niemandem tauschen?

Lektionen von Liebe, Vertrauen und Glück

„Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen,
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Friedhof in Gernsbach

Friedhof in Gernsbach

Dietrich ‪Bonhoeffer‬ beschloss so sein Gedicht im letzen Brief aus der Haft 1945 an seine Mutter und seine Verlobte. Maria von Wedemeyer wurde nach ihrem Tod 1977 in ‪Gernsbach‬ bestattet; eine Gedenktafel mit dem Gedicht erinnert neben dem Eingang zum Friedhof an ein mutiges Leben und eine unerfüllte Liebe. An einem Tag wie heute findet einer dort Hoffnung, Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens, Ermutigung gegen die Banalität des Bösen.

Was macht diese Banalität aus? Zur – erfolgreichen – Grundausstattung menschlicher Wahrnehmung und menschlicher Verhaltensimpulse gehört, auf Angst einflößende Eindrücke sehr schnell aggressiv reagieren zu können: Mit Draufschlagen – aktiv – oder Verweigern – passiv. Das Repertoire einschlägiger Handlungen ist viel größer als das Repertoire menschlicher Zuwendung. Die Mienen des Hasses, des Ekels, drohende Gesten und andere aggressive Signale  nonverbaler Kommunikation sind – das lässt sich schon bei kleinen Kindern beobachten – viel leichter abrufbar als Signale der Sympathie. Ausnahme: Das wohlfeile und unspezifische Lächeln. „Seien wir nett zueinander und tun wir uns nichts“: Das ist ein guter, in der Regel erfolgreicher Einstieg fürs Kommunizieren – oder eine lügnerische Falle. Bohoeffers Gedicht (Fassung des Evangelischen Gesangbuchs aus der Wikipedia) fehlt dieses gleisnerische Lächeln, es ist tiefernst:

1. Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

2. Noch will das Alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.

3. Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

4. Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.

5. Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

6. Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.

7. Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

So fasst einer im Angesicht des Todes seine Liebe zum Leben in Worte. Derlei passt freilich nicht in eine Spaßgesellschaft, die davon lebt, schnell und schillernd Feindbilder entstehen zu lassen und auszumalen. Das Böse, die Bösen – sei ’s in Effigie – zu verprügeln ist sexy, garantiert Applaus und gutes Ansehen bei den Guten. In der Euphorie von Quoten und Klickzahlen arbeiten all diese Guten, die bei genauem Hinsehen leider nur Gutmeinende sind, Hass und Gewaltherrschaft zu. Es kostet sie nichts. Sie verdienen gut damit, sich selbst und die Beifall blökende Herde gut aussehen zu lassen. Im Knast, in den Lagern saßen und sitzen andere, denen die Gutmeinenden aus der Entfernung und im Nachhinein nicht mehr schulden als billige Mitleidsrituale und eine gewisse Ehrfurcht: Lippenbekenntnisse.

Bonhoeffers Gedicht aus der Todeszelle dagegen gibt dem Einzelnen das Vertrauen zurück: Ob er an einen Schöpfer glaubt oder nicht – menschliche Größe bemisst sich an Qualität, nicht an Quantität.

War das jetzt zu kompliziert für Sie? Ich glaube nicht. Ich folge nicht jener Logik von Medienmachern in Öffentlich-Rechtlichen oder privaten Anstalten, nach der die Mehrzahl der Menschen zu einfältig ist, Konflikte anders zu verstehen als wenn sie in öden journalistischen Ritualen aufs Niveau von Deppen „heruntergebrochen“ sind. Viele Politiker und Journalisten kehren Konflikte zum Zweck eigener Daseinsvorsorge unter den Teppich, oft und lange erfolgreich – Lösungen haben sie nicht anzubieten. Das wollen sie auch gar nicht. Sie wollen Klicks und Quote, massenhaft. Der Einzelne soll in ihrer Rechnung vernachlässigt werden können. Das ist das Grundprinzip des Sozialismus – auch des Nationalsozialismus. Bonhoeffer – leider zu wenige Einzelne mit ihm – sind dieser Rechnung nicht gefolgt.

Kernkraft Wellness Punk – eine deutsche Komödie (I)

tellerVon Rekorden schwingender und fliegender Teller und weshalb der Westen den Untergang des Sozialismus noch vor sich hat.

Zeit und Ort: Zwischen 1989 in Berlin, in den USA zur Jahrtausendwende und in Deutschland heute


1

Musik (Punk)

Marion: (Vor einem Foto, das sie als Punkerin mit 18 zeigt, leichthin) Für Sie hab ich das vorgekramt, das Foto und dieses Ding (zeigt einen großen Porzellanteller, lacht.)

Wie waren Sie damals, Ende der 80er Jahre? Und wo? Ost, West? Ihre Welt: russisch, … ääähh sowjetisch, kommunistisch unterworfen oder frei dank Amerika seit über vierzig Jahren? Oder waren Sie einfach nur Bundesbürger – jenseits von Gut und Böse? Wussten Sie schon, was wird? (lacht) Ich bin jetzt … die Endform von erwachsen, längst aus den Kinderschuhen. Kinderkrankheiten – alle überstanden, die Hörner abgestoßen, lange her. Nichts wächst sich mehr aus, schief bleibt schief, Träume eingekeilt in Wirklichkeit, Erinnerung zurechtgebogen, nichts wird mehr, wie’s war – aber wie war’s?

Komisch – was niemals altert, sind doch Träume. Mädchenträume … so fing meiner an: (Sie stellt den Teller auf den Rand, dreht ihn mit kräftigem Schwung, so dass er kreiselt, das Geräusch wird immer lauter, während sie abgeht, dabei wird aus dem Foto die echte Punkerin Marion, die hin und her über die Bühne hetzt. Aus dem Hintergrund brüllt Lehrer Beitler)

Lehrer Beitler Bleiben Sie stehen! Halt! Stehenbleiben, Sie kommen doch nicht weg!

Anton (steht plötzlich vor Marion, hält sie auf) Was ist denn los?

Marion Punk O Scheiße. Idiot, lass mich los!

Lehrer Beitler Halten Sie sie fest! Das ist ein Vorkommnis mit Folgen, Grosse, Marion! Dacht ich’s doch! Danke, Anton, gut gemacht, man sieht doch gleich, was ein Genosse ist.

Anton Ich bin nur Kandidat.

Lehrer Beitler Klassenbewusst, diszipliniert, wie’s einem künftigen Wissenschaftler ansteht, nehmen sie sich ein Beispiel, Grosse, das heißt: sowieso egal, Ihr Abitur können Sie sich (beginnt zu lachen) buchstäblich abschminken, na, davon wenigstens versteh ’n Sie was, von Schminke. Ich sehe Sie um eins dann beim Direktor. (ab)

Anton Tut mir leid.

Marion Punk Wieso? Du bist doch gleich eins rauf mit Mappe, Streber. Fühlt sich gut an, nicht?

Anton Was du da grad gemacht hast …

Marion Punk … das Vorkommnis: Sabotage, vorsätzlich den Unterricht gestört …

Anton war toll! Der Teller wollte gar nicht aufhören zu tanzen. (hebt den Teller auf) Ich hab sowas noch nie gesehen. Und gehört. Eigentlich habe ich dich gesucht, weil …

Marion Punk (lacht) Möchtest du nochmal? Kommt sowieso nicht mehr drauf an.(sie dreht den Teller ein zweites Mal. Ehe er lärmen kann, fängt Anton ihn ab)

Marion Punk Und nun?

Anton Ich habe dich gesucht, weil ich dich fragen wollte: Würdest du mit mir zum Abiball kommen?

Marion Punk (lacht) Was fürn Angebot, na schön, komm du mit mir heut Abend an den See, dann kannst du meiner Clique mal zeigen, wie toll du meine Tellerdrehung findest. Und deinen Einstand geben, der mein Ausstand wird von dieser Schule: „Freundschaft!“ liebe Freunde, macht euern Sozialismus ohne mich! (Black, Musik)

2

(Spot)

Marion Mein See, Kies-See, ich darin als Nixe und kiese mir den Streber für mein Herz. Ach Anton! (lacht) Er hat wirklich den Direktor bequatscht, mir noch ’ne Chance zu geben, macht aus dem Teller ein Experiment, hängt gleich ’ne Hausarbeit dran: Physik, das wirklich Letzte von letzter Chance! Wie war ich verliebt – und eifersüchtig! (Die Bühne wird von einem Lagerfeuer erleuchtet, darum sitzt die Punkerclique. Musik aus einem Kassettenrekorder) So lange her, so kurz die Zeit. Die Kinder groß geworden, unsere, fahren in der Welt herum. Wir auf Mopeds damals durch den Osten. Ziellos zerstreut unterm Diktat der fremden Ziele, voll Sehnsucht aufeinander zu, erschrocken voneinander weg, wenn wir’s nur spürten: der – ein Spitzel auch, will alles wissen, horch und guck und Lug und Trug. Wissen stank nach dem Mief der Macht, Träumen war Halt, Freiheit ein glühender Schmerz vor tausend Zäunen. (geht ab, während die Musik lauter, die Bühne hell wird, Anton und Marion Punk, abgeschminkt und mit „zivilisierter“ Frisur treten auf)

Marion Punk Hey Jungs, das Bier schon warm?

Basti Wie siehst du aus? Wo sind die Würste, und was für ‘n Würstchen schleppst du an?

Anton Ich bin Anton, hätte zwei Granaten anzubieten.

Basti Hey, echter Whisky. Stasi oder Westler?

Marion Punk Er ist okay, Basti, hält mir Ärger vom Hals. Musste mich leider etwas entschärfen, sonst kein Abi.

Tina Wegen dem Typ da machst du dich zur Tussi?

Basti Trink ein Bier, Genosse, auf die Freundschaft.

Tina Und den Abschied, weil’s einer wird, nicht nur von der Schule diesen Sommer, vom See auch. Er wird eingezäunt. Nur das Strandbad bleibt. Gegen Eintritt.

Marion Punk Woher weißt du…

Tina Ordnung, Sicherheit und Disziplin, Genossen! Die sozialistische Datschenbewegung braucht Platz, da müssen schon mal ein paar Hektar Wildwuchs weg. Und Basti zieh‘n sie ein. Er geht drei Jahre zur Asche.

Marion Punk Bist du bekloppt?

Basti Fürs Studium. Mit meinen Noten krieg ich den Studienplatz nur nach drei Jahren Fahne. Prost!

Marion Punk Auf die Anpassung. Danke, Anton, dass du mir hilfst mich anzupassen. Los, braten wir die Würste. Das Feuer braucht Nachschub. Jungs, schafft Holz, sonst kriegt ihr nix zu futtern. (Anton, Basti, 2 Punker ab)

Tina Du hast ein Schwein.

Marion Punk Wegen Anton? Du bist nicht eifersüchtig auf die Speiche – oder? Du hast Basti, den Muskelmann. Dazu den Basti Senior mit Gemüseladen (lacht) aus Ostkohl und Südfrucht wird Westauto.

Tina Nicht komisch. Basti ist längst abgemeldet und ich bin schwanger von ‘nem Italiener.

Marion Punk Du bist …

Tina Genau. Mit Basti schlaf ich schon ein halbes Jahr nicht mehr. Nur Show. Mein Vater bringt mich um.

Marion Punk Wegen der Schwangerschaft?

Tina Wegen dem Italiener. Kanake, Westler, Klassenfeind: ‚Ich kann nicht glauben, dass du uns das antust, unser Vertrauen gröblichst hintergehst!‘ Gröblichst! So redet der. Und schlägt.

Marion Punk Dann schlag zurück. Hau ihm den Schädel ein. Oder was willst du?

Tina Na was schon, Klinik. Nächste Woche. Haste mal ’ne Lulle? (Sie rauchen)

Marion Tina, die Superbraut treibt ab. Kein Land in Sicht, wo die Zitronen blühn.

(Hermann kommt)

Marion Punk Was willst du hier?

Hermann Ich hätte ein paar Fragen. An dich. Nicht im Beisein dieser jungen Dame. Lassen Sie uns allein?

Marion Punk Tina bleib, der Typ hat nichts zu sagen. (Sie dreht den Punk lauter, singt) Hermann, mein roter Bruder schleicht nächtens um den See. Ist dir zu kalt in Moskau, Held der SED? Oder schickt Gorbatschow dich heim? Darauf mach ich mir einen Reim, Der deutsche Musterschüler wird zum Keim … (Geräusch von brechendem und splitterndem Holz, Gejohle der jungen Männer, die Bauholz heranschleppen, ins Feuer werfen).

Hermann Du solltest wenigstens ab und zu an die Familie denken. Deine Mutter ist…

Marion Punk Meine Mutter schuftet sich in der Klinik ab, den Haushalt besorge ich, okay? Und was ich mit meiner Freizeit mache, geht dich gar nichts an.

Hermann Du treibst dich rum, das sehe ich. Schule hört man, ist dir ein Ort zu provozieren, statt dankbar zu sein für Bildung, die du dem Staat verdankst.

Marion Punk Bildung zum Nicken. Mitmach-Training. (Sie ahmt Honeckers Fistelstimme nach) ‚Meine Liebe, meine Treue dem soschelschischen Vatrland!‘ Freundschaft! von Honis Gnaden. Wo nichtmal mehr die ‚Freunde‘ unverdächtig sind, Gorbatschow geht als Gespenst in Osteuropa um, während die ‚Brudervölker‘ Polen, Ungarn euch den Hintern zeigen, soll ich Margots Parolen wiederkäuen, Honi sei Dank, ich glaub mein Schwein pfeift.

Hermann Halt den Mund! Das muss ich mir nicht anhörn. Feindlich-negativ die Einstellung, das zeigst du dreist vor diesen Leuten. Du machst uns Schande, mir und Deiner Mutter.

Marion Punk Lass gut sein, roter Bruder. Deine Karriere ist mir scheißegal.

Hermann Das hat ein Nachspiel. (ab)

Marion Punk Du feiges Bonzenschwein.

Basti Ärger? Soll ich ihm hinterher?

Marion Punk Bloß nicht.

Anton Wer war das?

Marion Punk Mein idiotischer roter Stiefbruder, demnächst Diplomat in Diensten der DäDäRÄäää nach erfolgreichem Studium w unwersisitetje imjeni Lomonossowa.

Tina Nette Familie. Was ist mit Whisky? Los, saufen wir auf unsere tolle Zukunft! Auf den Punk! (alle trinken)

Marion Punk Als in Peking Panzer über Studenten walzten, hat Hermann applaudiert. Ein treuer Fan von Egon Krenz „Hoch die internationale Solidarität! Hoch die internationale …“ (alle außer Anton stimmen in den sarkastischen Sprechchor ein)

Anton Sie machen wirklich alles kaputt. Sogar die Physik.

Tina Hoppla Marion, was hat dein neuer Freund?

Anton Ich meine ja nur. Solidarität ist doch eigentlich gut. Die Naturkräfte … sind doch zum Guten da, nicht für Atomraketen. Und … ach, Scheißpolitik. Trinken wir.

Punker 3 Atomkraft ist überhaupt Scheiße, siehst du doch an Tschernobyl.

Tina Keiner will das Zeug mehr. Macht kaputt, was euch kaputt macht! Scheiß auf Kernkraftwerke! Macht kaputt, was euch kaputtmacht! (wieder nehmen alle den Rhythmus auf, skandieren, brechen Holz, werfen es ins Feuer)

Marion Punk Na los, Anton, was ist, mach mit und fang die Scheibe. Hier geht der Punk ab! (Musik wird extrem laut, alle grölen, singen durcheinander, spielen Frisbee mit Plastiktellern. Von fern ist ein Martinshorn zu hören, kommt näher)

Basti Scheiße die Bullen, nichts wie weg!

(Blaulichter, Suchscheinwerfer, Rufe „Halt, stehenbleiben, Volkspolizei!“, hektisches Gerenne der Punks gegen Zäune, Teller fliegen, in einer Slapstickszene entwischen alle nach und nach, nur Anton und Marion werden festgenommen, das geschieht mit brutaler Härte. Black oder Tableau.)